Der Skiflug-Zweikampf in Norwegen
Norwegen ist das
Mutterland des Skispringens und Stolz auf seine nordische Skisporttradition.
Daher will man es dort nicht länger akzeptieren, dass vor großartigen
Zuschauerkulissen im slowenischen Planica immer wieder neue Rekordflüge geboten
werden, während man in Vikersund nur selten fliegt und spärlichen
Zuschauerzuspruch erhält. So gibt es schon lange Pläne, eine neue
Skiflug-Nationalanlage in Norwegen zu errichten, um der Konkurrenz im Ausland
Paroli bieten zu können und Weltrekorde der eigenen Athleten, sowie die 239,0 m
des Norweger Bjørn Einar Romøren, den eigenen Landsleuten präsentieren zu
können.
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Computeranimation mit Nord- (oben) und Südansicht des Schanzenkomplexes mit der umgebauten Skiflugschanze. |
Nun liegen zwei
Vorschläge vor, wie die neue Nationalanlage aussehen soll. Entweder es wird ein
komplett neuer Schanzenkomplex nahe des Osloer Holmenkollens errichtet, oder der
Vikersundbakken wird ausgebaut. Die Entscheidung durch den Norwegischen
Skiverband „Skiforbundet“ steht am 20. April an. Hier die Details zu den beiden
Bewerbern:
Umbau der Flugschanze
in Vikersund:
Der Vorteil eines Ausbaus der bisherigen HS 207-Flugschanze, wie er vom Betreiber Skiflug Vikersund AG angestrebt wird, ist vor allem der Kostenfaktor. Für die Arbeiten an der Schanze in der Gemeinde Modum wären nur 7 Mio. € nötig, wobei durch die Verlegung der Schanze um 33 Meter nach Süden auch Rekordflüge über 250 Meter ermöglich werden sollen. Zunächst würde der 50 Jahre alte Anlaufturm beseitigt werden müssen, dann der Aufsprunghangverlegt und durch die Absprengung von 9 m eines Felsens würde man einen guten Windschutz erhalten. Die alte Infrastruktur würde ausgebaut und überarbeitet werden.
Großer Nachteil des Vikersundbakkens ist seine Lage 80 km entfernt der Hauptstadt, da man direkt in Oslo viel größere Zuschauerzahlen erwartet. Während man bei Weltcupspringen in Vikersund mit ca. 45.000 Zuschauern an insgesamt drei Tagen rechnet, sollen fast doppelt so viele Menschen nach Rødkleiva strömen.
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Oben: Skizze des verlegten und ver- größerten
Vikersundbakkens Unten: Rasterplan von Rødkleiva |
Zusätzlicher Nachteil für Vikersund sind die Meinungen der meisten Offiziellen des NSF, sowie der norwegischen Trainer und Skispringer, die zum Großteil lieber näher an Oslo und vor größeren Zuschauerkulissen springen möchten. Somit stehen die Chancen für Vikersund eher mäßig, einige Stimmen fordern sogar den Umbau zu einer Großschanze, um dort in Zukunft Weltcupspringen zu veranstalten.
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Neubau
einer Riesenschanze in Rødkleiva:
Die Pläne für den Bau einer nagelneuen Riesenschanze auf der Rückseite des Holmenkollens, im sogenannten „Holmenkollen Vinterpark“, sehen vor, dass neben der Flugschanze auch noch eine weitere Normalschanze entstehen soll, die für die Nordische Ski-WM 2011 in Oslo geeignet wäre.
Für ca. 25 Mio. € soll eine Weltrekordschanze entstehen, die nicht nur bis zu 50.000 Zuschauern Platz bietet (davon 23.000 Sitzplätze), sondern auch für Fernsehübertragungen und Großereignisse perfekt geeignet ist. Hauptargument ist auch die große Tradition in Verbindung mit dem Holmenkollen und die Konzentration der Anlagen mit Flugschanze, Holmenkollen und Normalschanze.
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Unsicherheit besteht aber noch, was das Gelände betrifft, so würde sich die neue Nationalskifluganlage in einem Naturschutzgebiet befinden. Außerdem hat man keine Erfahrungswerte des Windes für Skisprungveranstaltungen und es ist fraglich, ob der Nebel ebenso problematisch wie am Holmenkollen ist. Die enorm höheren Kosten dürften jedoch kein zu großes Hindernis sein, denn es handelt sich um ein Markenzeichen des norwegischen Sports und viele versprechen sich sogar jährliche Wettkämpfe, so wie es bis jetzt in Planica der Fall ist.
Somit scheint Rødkleiva der Favorit für die Entscheidung am 20. April zu sein, der ganz Norwegen und die Skisprungfans weltweit entgegenfiebern, auch wenn die Aufgabe des Skifliegens in Vikersund äußerst schade wäre.
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