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Luis auf Schanzen-Tournee: SGP Hinterzarten - Tradition(en) und Neulinge

am 01.08.2018

Mit seiner 36. Austragung ist der Sommer-Grand-Prix in Hinterzarten einer der traditionsreichsten Sommerskisprung-Wettbewerbe überhaupt. Dieses Mal war unser Kolumnist Luis Holuch wieder mit von der Partie und berichtet von ebensolchen Traditionen, aber auch von ganz neuen Protagonisten und Geschichten. Viel Spaß mit dem ersten von zwei Teilen von "Luis auf Schanzen-Tournee beim Sommerskispringen in Hinterzarten"!

Luis auf Schanzen-Tournee

von Skisprungschanzen-Archiv-Autor und -Fotograf Luis Holuch

Endlich wieder Skispringen live! Allein bei diesem Gedanken hüpfte mein Herz. Allerdings vor Vorfreude und zum Glück weniger unter der fortwährenden Hitzewelle, die Deutschland weiterhin fest im Griff hatte. Schon im April, quasi als Geburtstagsgeschenk hatte ich die Reise nach Hinterzarten organisiert und gebucht. Es wurde aber auch Zeit, nach drei Jahren Abstinenz. Und so stieg ich am Donnerstag ins Auto und machte mich auf den Weg in den Hochschwarzwald. Ein Mix aus Abstand vom Alltag, gepaart mit ein wenig Vor-Ort-Recherche inklusive Interviews, Werbung für mein Buch über das Damen-Skispringen, Networking, aber auch der Spaß und etwas Freizeit sollten nicht zu kurz kommen – so hatte ich es mir vorher ausgemalt.

Ein Glückstreffer und ein gelungener Schnellschuss

Im Gegensatz zum hohen Verkehrsaufkommen, das seinen Auftritt hatte, als ich gefühlt schon da war – nämlich in Freiburg. Doch, wie sich im Laufe der nächsten Tage herausstellte, war ich beileibe nicht der Einzige unter Freunden, Kollegen und Teams, dem das wiederfahren ist. Um halb sieben abends kam ich schließlich in Hinterzarten an. Über die Website des Tourismusverbandes hatte ich eine ausgesprochen günstige, aber auch toll gelegene Ferienwohnung gebucht. Meine norwegische Begleitung, die ich in Frankfurt am Flughafen abgeholt und mitgenommen hatte, und ich waren sehr gespannt, was wir für die schlanke Mark bekamen. Und es war ein absoluter Glückstreffer. Die Wohnung hatte alles, was man brauchte und zudem noch einen Balkon, der auch genügend Schatten bot – herrlich.

Nach einem kurzen Einkauf und einer Pizza im legendären Holzschopf bei Kult-Gastronom Franco Russo, der mehr Fotos an der Wand hat als manch Skispringer unterschiedliche Schanzen in seinem Leben bezwingt, ging es dann auch ins Bett. Der erste von fünf langen Tagen war unspektakulär, aber bei phasenweise 38 Grad auch anstrengend. Der nächste Morgen, bis es sich schließlich lohnte, den Weg ins Adler-Skistadion anzutreten, zog sich ein wenig, doch die Vorfreude wuchs immer mehr. Auf dem gut einen Kilometer langen Weg zur Schanze holte ich noch meine Presse-Akkreditierung ab und ging auf direktem Weg zum Pressezentrum im Betriebsgebäude an der Schanze. Um kurz nach 13 Uhr war ich da und damit überpünktlich zu meinem ersten Termin.

Ich traf Lars-Henrik Wacker, einen Journalisten-Kollegen, der seit einigen Monaten immer mal wieder eine Skisprungradio-Sendung produziert. Er hatte diesmal ein Hinterzarten-Spezial vorbereitet und ich hatte vor kurzem einen Gastbeitrag für eine vorherige Sendung beigesteuert, nachdem er erfahren hatte, dass ich ein Buch über das Damen-Skispringen veröffentlicht hatte. Diesmal fragte er mich für ein Interview an, um über die allgemeine Entwicklung des Damen-Skispringens zu sprechen. Der Anlass mit dem ersten Sommer-Grand-Prix für die Damen in Hinterzarten seit 2013 war günstig und ich sagte gerne zu. Das Interview hatten wir auch rasch im Kasten; das Endergebnis gibt es nun auch auf YouTube zu sehen, beziehungsweise hören (siehe unter Links).

Slowenen-Ski, Carbon-Schuh und ein verweigertes Debüt

Auch ich feierte an diesem Wochenende eine Art Mottoparty, wie man vielleicht am Titel dieser Kolumne erkennen kann. Es waren einige neue Namen auf den Startlisten beider Geschlechter zu finden. Sowohl Athletinnen und Athleten, die zum ersten Mal beim Sommer-Grand-Prix dabei waren, als auch Springer, die ich nun das erste Mal live an der Schanze sah. Und natürlich auch Athleten mit neuem Material. So rieb man sich beim ersten Training doch etwas verwundert die Augen, als Simon Ammann (ja, DER Simon Ammann) plötzlich mit Slatnar- statt den gewohnten Fischer-Ski und auch noch mit einem neuen Schuh auf der Matte stand – im wahrsten Sinne des Wortes. Diesen Schritt hatte er wenige Tage zuvor, wie ich bei der Recherche feststellte, bei einem Medientag wie folgt begründet: "Die erfolgreichen Tests mit einem neuen Ski und dem Carbon-Schuh gaben mir die Motivation, weiterzumachen." Der Schweizer ist und bleibt eben ein nimmermüder und -satter Tüftler.

Meine mittlerweile mehrjährige Erfahrung von Skisprung-Events hat mich eines immer wieder gelehrt: Der Unterschied in Bezug auf die Möglichkeiten, die man als Journalist hat, auch mal etwas tiefer mit seinen Gesprächspartner in die Materie zu gehen, sind zwischen Trainings- und Qualifikations- im Vergleich zum Wettkampftag enorm. Deshalb versuche ich mittlerweile meine Interviews gleich am ersten Tag zu machen. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, bei den Athletinnen und Athleten ist mir das dieses Mal auch gelungen. Bei den Damen legte ich, entgegen meiner Gewohnheiten, einen deutschen Schwerpunkt. Die erste Version der Startliste spuckte gleich drei Debütantinnen aus, doch nach einem letzten Kontrollblick der FIS musste Jenny Nowak wieder von der Startliste weichen, da sie noch keine Continental-Cup-Punkte erzielt hat und somit nicht startberechtigt war.

Eine Flachlandtirolerin und Frau Freitag: Die deutschen Debütantinnen

Als sich die günstige Gelegenheit ergab, schnappte ich mir die jüngste deutsche Athletin Josephin Laue, die ihren Einstand bei den "Großen" gab. Für sie war nicht nur ihr Sommer-Grand-Prix-Debüt "einfach supercool", sondern auch noch der Umstand, dass ihr großes Idol Andreas Wank bei den Herren ebenfalls am Start war. "Wir haben uns oben schon gesprochen und er findet es echt klasse, dass ich es soweit geschafft habe. Schon als kleines Mädchen habe ich ihn sehr verehrt und, dass ich jetzt hier mit ihm springen darf, ist unglaublich", berichtete sie mir und bekam das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Ohnehin ist der Werdegang der 16-Jährigen ein ungewöhnlicher, denn "ich komme ursprünglich vom Flachland und hatte bis zu meinem Wechsel nach Klingenthal gar nicht die Möglichkeit auf größeren Schanzen zu trainieren."

In der vergangenen Saison bremsten einige Verletzungen ihre Entwicklung, doch "nachdem es beim FIS-Cup in Villach und auch bei den deutschen Meisterschaften letzte Woche hier gut lief, hat Bundestrainer Andreas Bauer dann entschieden, dass ich hier mal reinschnuppern darf." Für die nähere und etwas fernere Zukunft steht nun erstmal fest, dass "wir abwarten, wie das Jahr so läuft. Wenn Daniel Vogler (Leitender Disziplintrainer der Lehrgangsgruppe Ib beim Deutschen Skiverband, Anm. d. Red.) dann einen Wechsel von mir nach Oberstdorf als sinnvoll erachtet, werden wir darüber natürlich sprechen." Bis es möglicherweise soweit ist, bleibt die einzige Kaderathletin des Skiverband Sachsen-Anhalts in der Disziplin Skisprung also weiterhin am Skigymnasium Klingenthal.

Genau diesen Wechsel nach Oberstdorf hat die zweite Debütantin des DSV, Selina Freitag schon hinter sich gebracht. Im Sommer 2016, im Alter von 16 Jahren war die Zeit für ihren Umzug gekommen. Doch das war beileibe nicht die einzige Veränderung, wie mir Selina erzählte: "Ich sehe meine Familie nicht mehr so oft und mein Freundeskreis hat sich auch verändert. Allerdings hat sich auch mein Sprungniveau gewandelt und ich war auch häufiger im Ausland, wie zum Beispiel beim FIS-Cup in Schweden, in Falun, im März." Obwohl sie selber sagt, sie mag die Vergleiche mit ihrem Bruder Richard nicht besonders gern, musste sie schon zugeben, "dass dieses Wochenende, das erste an dem wir beide gemeinsam starten und dann auch noch in Deutschland, schon etwas Besonderes ist."

Auch für Selinas und Richards Mutter Diana war das Sommerskispringen in Hinterzarten ein besonderer Event. "So oft sehen wir unsere Kinder nicht mehr, da sie ja beide in Oberstdorf wohnen. Für uns ist es sogar praktisch, dass unsere Kinder zusammen an einem Ort sind, dann müssen wir nicht immer ganz so viel organisieren und schauen, wann wir wo hinfahren", erzählte sie mir. Zwar sei es ihr enorm schwer gefallen, ihre Tochter das Zuhause verlassen zu sehen, dennoch "habe ich das immer unterstützt, denn sie hat für sich diese Chance gesehen, die sie unbedingt ergreifen wollte." Zwar erkennt sie, dass es für die Skispringerinnen weiterhin kein Einfaches ist, ihren Sport zu betreiben, geschweige denn davon leben zu können, "aber das ist kein Grund, aufzustecken. Ganz im Gegenteil, man muss die Werbetrommel weiterrühren."

Sie meinte in diesem Fall logischerweise die sprichwörtliche Werbetrommel für das Damen-Skispringen, doch für mich persönlich war dieses Gespräch eine günstige Gelegenheit, ihr mein Buch vorzustellen. "Auch diese Werbetrommel rühre ich gerne. Ich finde es klasse, wenn jemand auf den Trichter kommt, dass die Mühen und Leistungen der Damen gleichermaßen berichtenswert sind wie die der Herren, noch dazu mit einem Buch", sagte Diana Freitag. So gab ich ihr zwei Bücher mit und sie bedankte sich. Selina verpasste am Samstag als 31. den Finaldurchgang um hauchzarte 0,3 Punkte, was bei ihr und ihrer Mutter für bittersüße Mienen sorgte. Doch, da es am Folgetag in den Frankreich-Urlaub ging, ließ sich auch das verkraften. "Und eine Urlaubslektüre haben wir jetzt auch noch", lachte Diana Freitag.

Die Athleten-Interviews waren für mich zu diesem Zeitpunkt schon absolviert, doch natürlich geschah auch danach noch erzählenswertes, auch abseits der Schanze, wo Sara Takanashi am Samstag einen einmal mehr überzeugenden Sieg vor Yuki Ito und Lokalmatadorin Ramona Straub feierte. Letztere bekundete auf der Pressekonferenz nach dem Springen, sie habe bis dato gerade einmal 20 Sprünge absolviert und sei noch gar nicht bei 100 Prozent, "schließlich habe ich an fast allen Schrauben in meinem Sprung etwas verändert." Auch diese Aussage sorgte für großes Erstaunen, selbst beim ebenfalls anwesenden Martin Schmitt. Doch das macht auf jeden Fall noch mehr Lust auf die weiteren Wettbewerbe und ihre Geschichten in diesem Sommer. Alle weiteren Geschichten aus Hinterzarten erfahrt ihr im schon bald erscheinenden zweiten Teil.

Bis dahin, eine gute Zeit!

Euer Luis

Schanzen:

GER Hinterzarten (Adler-Skistadion)

Links:

Website des Sommerskispringens Hinterzarten
Gallery of the ladies competition on berkutschi.com
Die Entwicklung des Damen-Skispringens: Luis Holuch im Interview bei LHW
Das Buch von Luis Holuch im Online-Shop des Engelsdorfer Verlags


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