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Zwei weitere Schanzen geschlossen: Skispringen in Harrachov vor dem Aus?

am 25.05.2018

In den vergangenen Jahren wurde es zunehmend stiller um die Schanzen in Harrachov. Nun hat das Tschechische Olympische Komitee mitgeteilt, dass die Normalschanze (K90) und die K40-Schanze geschlossen werden. Dies ist ein erheblicher Einschnitt in die Substanz des tschechischen Skispringens. Skisprungschanzen.com beleuchtet die Zukunftsperspektiven der Schanzen am Teufelsberg und in der Tschechischen Republik selbst.

Es ist noch gar nicht so lang her, da fand in Harrachov die Skiflug-WM statt – vor etwas mehr als vier Jahren. Severin Freund wurde seinerzeit in zwei Durchgängen Skiflug-Weltmeister; der Teamwettbewerb entfiel, ebenso wie die anderen zwei Durchgänge des Einzel, aufgrund des gefürchteten Windes. Danach fand lediglich ein FIS-Cup-Wochenende im März 2016 statt, seitdem ist auf den Schanzen am Teufelsberg nicht mehr viel passiert. Der letzte Weltcup auf der Großschanze fand gar im Jahr 2011 statt. Gregor Schlierenzauer und Richard Freitag gewannen je ein Einzelspringen, Norwegen mit Tom Hilde, Bjørn Einar Romøren, Vegard Haukø Sklett und Anders Bardal den Teamwettkampf. Die beiden größten Schanzen besitzen zwar laut FIS sogar noch gültige Zertifikate, sind jedoch seit 2014 nicht mehr in Betrieb.

Harrachov als Sinnbild des Abstiegs des tschechischen Skisprung-Sports

Diese Entwicklung gipfelt nun in einem vorläufigen Höhepunkt: das Tschechische Olympische Komitee (ČOV) teilte am Mittwoch mit, dass nun die Normalschanze (K90) und die K40 geschlossen wurden. "Wir können den Betrieb dieser Schanzen nicht mehr aufrechterhalten. Es ist viel zu gefährlich, die Athleten auf diese beiden Schanzen zu lassen. Das gilt auch für den Lift, der diese Schanzen bedient", gab Peter Graclík, der Generalsekretär des ČOV, in einer Pressemitteilung zu Protokoll. Die Mängel sind frappierend, die Schanzen in einem erbärmlichen Zustand: "Es ist unverantwortlich, Menschen auf diese Schanzen zu lassen. Die Anlauftürme sind marode und löchrig", heißt es in einer Bestandsaufnahme. Zudem könnten jederzeit Bretter brechen, hieß es.

Die größte nun ganzjährig nutzbare Schanze im Dreiländereck-Dorf ist nun die K26 im Areal Kaml. Kinder aus der Region finden also bis zu einem gewissen Entwicklungsstatus eine gute Basis vor, doch dieser ist auch verhältnismäßig früh erreicht. Spätestens im frühen Teenageralter bräuchte der Nachwuchs im Lande Schanzen von K60 und größer. Zwar gibt es in Rožnov pod Radhoštêm solch eine Schanze, jedoch liegt das Dorf in der Region Zlín und somit fast fünf Stunden Autofahrt von Harrachov entfernt. Immerhin wird derzeit die HS 77 in Lomnice nad Popelkou renoviert, welche mit einer Fahrzeit von etwa 45 Minuten noch durchaus gut erreichbar ist.

Lediglich drei Schanzen in Tschechien erfüllen Weltcup-Standards - im Sommer

Es war also definitiv schon einmal besser um die Schanzen in Tschechien bestellt. Getroffen wurde die Entscheidung die Schanzen in Harrachov zu schließen von den Chefs der Betreibergesellschaft KAH, die im Vorfeld der Skiflug-WM 2014 noch einmal die nötigen Betriebsmittel für eine Periode von vier Jahren zusammenkratzte. Für mehr reicht es vorerst nicht. Ende des Jahres wird also auch die K73 als letzte Schanze direkt am Teufelsberg geschlossen. Lukáš Sobotka, Präsident des Tschechischen Skiverbandes, sagte: "Auch wenn uns diese Entscheidung, gerade vor disem sporthistorischen Hintergrund, sehr schwergefallen ist, es hat keinen Sinn mehr, diesen Schmerz weiterhin auszuhalten."

Es ist ein herber Einschnitt in die Substanz des tschechischen Skisprungsports. Lediglich die Ještêd-Schanzen (Groß- und Normalschanze) in Liberec, sowie die HS 106-Normalschanze in Frenštát pod Radhoštêm entsprechen höchsten FIS-Standards und werden regelmäßig benutzt. Marta Křepelková, WM-Teilnehmerin in Lahti 2017, schlidert: "Im Sommer ist es noch okay, da können wir in Liberec oder Frenštát trainieren. Aber jetzt haben wir durch die Schließung der K90 in Harrachov im Winter gar keine Trainingsschanzen mehr. Die Schanzen in Liberec werden nicht präpariert." Sobotka prognostiziert: "Für unsere Skispringer wird der Sport immer teurer. Durch den Wegfall der Schanzen in Harrachov sind wir immer öfter gezwungen, ins Ausland zu fahren", sagt jedoch auch: "Wir haben bereits damit gerechnet, dass diese Situation entstehen könnte. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um die Schanzen wieder auf Vordermann zu bringen."

Wird es jemals wieder eine Skiflug-WM in Harrachov geben?

Doch, reicht das? Und, was möchte man in Tschechien in der Disziplin Skispringen und auch in der Nordischen Kombination zukünftig erreichen? Seit den Glanzzeiten eines Jakub Janda und vereinzelten Erfolgen wie den Weltcup-Siegen von Jan Matura und Roman Koudelka hat das tschechische Skispringen kaum positive Schlagzeilen geschrieben. Auch bei den Kombinierern sieht die Lage nicht besser aus. Lediglich Tomáš Portyk gelangen mit dem Junioren-Weltmeistertitel 2016 im rumänischen Râšnov und der Goldmedaille bei den ersten Youth Olympic Winter Games 2012 in Innsbruck Achtungserfolge.

Die Entwicklung des tschechischen Skispringens, der Nordischen Kombination und der der Anlagen im Land gehen, wenn sie nicht sogar Hand in Hand gehen, zumindest parallel. Großartig sind die Erinnerungen an historische Ereignisse wie die beiden Weltrekorde von Armin Kogler (176 Meter) und Pavel Ploc (181 Meter) 1980 und 1983. Und auch die letzte Skiflug-WM 2014 hatte ihre Highlights; gerade neben der Schanze, als die jeweils um die 10.000 Zuschauer an allen vier Wettkampftagen geduldig ausharrten und Stimmung machten. 2024 soll es (auch laut Plan) wieder eine Skiflug-WM geben.

Doch, wird es überhaupt jemals wieder eine Skiflug-WM in Harrachov geben? Angesichts der Umstände scheint das mehr Utopie als Fantasie zu sein. Doch Petr Graclík gibt sich kämpferisch: "Wir werden gemeinsam mit dem Tschechischen Skiverband alles tun, um die nötigen Investitionen in die Renovierung der Anlagen zu stemmen." Ob dieses Versprechen auch in die Tat umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Dem tschechischen Skispringen täte eine Infusion dieser Art mehr als nur gut.

Schanzen:

CZE Harrachov (Čertova hora)
CZE Harrachov (Adidas Arena - Čerťák)
CZE Harrachov (Areal Kaml)

Links:

Report on sport.cz


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