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Luis auf Schanzen-Tournee: beim Weltcup-Finale 2016 in Planica, Teil II

am 04.05.2016

Nach einem gelungenen Auftakt und einem strammen Marsch in Teil I des diesjährigen Planica-Berichts von unserem Kolumnisten Luis Holuch geht es nun in Teil II um den Team-Wettkampf, der traditionell am Planica-Samstag stattfand. Und das ist noch nicht alles: es erwartet euch demnächst noch der dritte Teil. Seid also gespannt und habt viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe von "Luis auf Schanzen-Tournee"!

Luis auf Schanzen-Tournee

von Skisprungschanzen-Archiv-Autor und -Fotograf Luis Holuch

„Es zieht ein wenig“, denke ich, als ich am Samstag noch vor sieben Uhr erwache. Das Fenster habe ich in der Nacht offen gelassen, um eine slowenische Sauna zu vermeiden. Denn die italienische Heizung, die gerne den ganzen Tag durchbollert, hat die sieben Kilometer über die Grenze nach Kranjska Gora ganz locker überwunden. Aber solange es nicht wieder in einer Grippe wie im vergangenen Jahr endet, sollte es mir egal sein. Und so kam es Gott sei Dank auch nicht. Die anderen beiden Jungs standen schon mehr oder weniger in den Startlöchern, als ich meinem Bett entstieg, dabei war keine Eile geboten. Auf mich mussten die Beiden jedoch nicht warten, da ich der Schlüsselwärter war, sodass wir uns verabschiedeten und auf später verabredeten.

Egal ob zur Aufstehzeit um halb sieben, um sieben oder um halb acht: es ist erstaunlich ruhig in Kranjska Gora. Sowohl was die Lärmkulisse betrifft als auch verkehrstechnisch. Auch auf den Straßen ist nicht viel los. Beim Überqueren der Hauptstraße Borovška Česta kriege ich sofort einen Shuttle-Bus, einen öffentlichen wohlgemerkt. Auch sonst läuft alles in geregelten Bahnen ab, der Eintritt ist verglichen mit Freitag ein absolutes Kinderspiel. Und das, obwohl vor dem Eingang einige Hundert bis Tausend Menschen stehen, viele bereits mit Alkohol in der Hand. Es ist der ganz normale Planica-Samstagswahnsinn.

Ich mache mich direkt auf den Weg ins Pressezentrum, um die Startlisten abzuholen. Unterdessen schrieb ich mit einer Twitter-Followerin, die ich glaubte am Vortag erkannt zu haben, jedoch zu spät. Sie hatte auf einen Tweet von mir reagiert, in dem ich über den strammen Marsch von der Schanze zurück zum Apartment berichtete. Doch erst dann fiel mir auf, dass sie, Basia, am Freitag vor Michał und neben mir stand und sich mit ihm unterhielt. Und auch heute dauerte es ein wenig, bis wir uns dann fanden. Nämlich erst während des Probedurchgangs, obwohl wir beide zur selben Zeit im Pressezentrum waren. Nichtsdestotrotz lief die Unterhaltung von Beginn an hervorragend, auch, weil sie „endlich mal wieder Deutsch“ sprechen konnte, wie sie sagte.

So richtig packend war die Probe nicht und es waren auch gerade einmal die für einen Weltcup-Teamwettbewerb erforderlichen acht Mannschaften am Start. Dank den US-Boys. Basia war recht neugierig, weil sie mich schon in Klingenthal 2014 gesehen hatte – dank der Eurosport-Jacke sei ich sehr gut zu erkennen gewesen. Es ist für mich nichts Ungewöhnliches mehr, dass ich erkannt werde, aber so viele Details aus meinem kurzen Arbeitslebenslauf hatte ich bis dato in so kurzer Zeit noch nicht erzählen müssen. Selbst bei Bewerbungsgesprächen nicht. Aber natürlich beantwortete ich Basia gerne jede Frage, die ihr auf der Zunge lag. Mir ist es immer recht unangenehm, wenn ich merke, dass ich den viel größeren Redeanteil habe und es war ja nun nicht so, dass ich nichts von ihr erfahren wollte. Unterm Strich bekamen wir also dann ein ausgewogenes Verhältnis zustande, was den Redeanteil betraf. Im Wettkampf selber dann ging sie ihren fotografischen Fähigkeiten nach, während ich mit den polnischen Jungs Fachgespräche hielt.

Immer wieder sprachen Maciej und Paweł mit einem ihrer Landsleute – ohne, dass ich natürlich ein einziges Wort verstand. Recht überraschend führten die Österreicher nach der ersten Gruppe, der an den beiden Tagen zuvor als wenig konstant aufgefallene Jurij Tepeš hatte seine Landsleute auf Platz zwei in Stellung gebracht. Der deutsche Bundestrainer Werner Schuster hatte sehr taktisch aufgestellt: Stephan Leyhe war Startspringer, Severin Freund flog auf mit der für ihn ungewohnten Nummer zwei, Markus Eisenbichler trug die drei und Richard Freitag war Schlussspringer. Schuster wollte durch diesen taktischen Kniff eine kürzere Anlauflänge für Freund in der vierten Gruppe vermeiden. Dort flogen mit Kasai, Hayböck, Forfang und Prevc schließlich vier Top-Flieger. Severin Freund brachte das deutsche Team mit 214 Metern auf den zweiten Platz, sogar noch vor die Slowenen. Die Führung übernahmen die Norweger dank einem klasse Flug von Anders Fannemel auf 234 Meter.

Markus Eisenbichler konnte sich in der wohl stärksten dritten Gruppe in einem Team-Wettkampf seit Langem nicht so recht behaupten und verlor auf Kranjec (231,5 Meter) und Gangnes (233 Meter) über 30 Punkte. Und dann kam schließlich die vierte Gruppe. Michael Glasder schraubte seine persönliche Bestweite auf 197 Meter, Jan Matura flog seine Standardweite von 204 Metern und Kamil Stoch solide 213 Meter. Der Hexenkessel brodelte wieder mal, als Noriaki Kasai am Start war. Spätestens seit dem Wettkampf am Freitag, als er mit einer goldenen Nummer 500 sprang, waren ihm alle Sympathien endgültig gewiss. Und dass der Mann fliegen kann wie ein junger Gott, bewies er mit 225 Meter und holte sich zur Belohnung die Planica-Hymne ab. Sein Flug wurde in der Gruppe nur von drei Herren getoppt: Michael Hayböck flog Durchgangsbestweite von 235 Meter, Richard Freitag stellte seine vormalige persönliche Bestweite von 230 Metern ein und Peter Prevc flog einen halben Meter kürzer als Freitag. Johann André Forfang, erstmals Schlussspringer bei den Norwegern, erwischte einen nicht so guten Sprung und weniger gute Windverhältnisse und blieb bei 210 Metern kleben. Dennoch führten die Norweger nach dem ersten Durchgang mit 9,3 Punkten Vorsprung vor den Slowenen, die Österreicher auf Rang drei lagen fast schon 20 Punkte zurück. Die Deutschen hatten bereits sämtliche Podestchancen eingebüßt.

In der Pause wird die offizielle Zuschauerzahl von 32.500 bekannt gegeben – noch einmal 2.500 mehr als am gestrigen Freitag! Mehr gehen aktuell nicht ins weite „U“. Der zweite Durchgang beginnt synchron zum ersten und trotz niedrigerem Gate, aber dank stärkerem Aufwind mit höheren Weiten. Stefan Kraft zündete mit 241 Metern die erste Rakete und endlich kam auch Jurij Tepeš zu einer ihm würdigen Weite von 234,5 Metern. Daniel-André Tande verwaltete mit seinen 224,5 Metern den Vorsprung der Norweger, während Stephan Leyhe mit 220 Metern eine neue persönliche Bestweite flog. In der zweiten Gruppe war es abermals Anders Fannemel, der mit 233,5 Metern nicht zu schlagen war. Severin Freund als Zweiter dieser Gruppe kam ihm mit 219 Metern noch am nächsten. Die dritte Gruppe sollte schließlich entscheiden, ob den Norwegern noch der Sieg zu nehmen sein wird. Manuel Fettner legte für Österreich gute 224 Meter vor, dann lieferte jedoch Robert Kranjec seinen schwächsten Flug an diesem Wochenende ab und kam nur auf 208 Meter. Diese Steilvorlage nutzte Kenneth Gangnes und flog mit 239 Metern auf Bjørn Einar Romørens einstigen Schanzen- und Weltrekord auf der alten Letalnica.

Die Frage nach dem Sieger war also geklärt, nun war noch noch fraglich, ob die Slowenen beim Heimspiel auf ihrer Schanze „nur“ Dritte würden. Das Duell lautete also Prevc versus Hayböck, und zwar genau in der Reihenfolge. Schließlich lag Österreich vor Slowenien. Richard Freitag flog für Deutschland noch einmal gute 222 Meter und zementierte damit den fünften Platz vor Polen, Tschechien und den US-Amerikanern. Noriaki Kasai sorgte abermals für fassungsloses Kopfschütteln oder imaginär gezogene Hüte, als er 233,5 Meter flog. „Der Typ ist irre!“, sagte ich zu Maciej. „Aber mir fehlt noch so ein richtiger Highlightflug an diesem Wochenende“, ergänzte ich hoffnungsvoll. „Warte mal ab. Wenn nicht heute, dann morgen zum großen Finale“, antwortete er kurz bevor der Lärmpegel rapide anstieg. Denn: Peter Prevc kam. Er war nun der Auserkorene, der die Slowenen noch auf Rang zwei führen sollte. Dazu bedurfte es aber einem wahrhaften Highlightflug. Aber, wie er eben halt in der Saison war, den brachte Prevc auch. 246 Meter, oder auf Slowenisch „dvestošestštirideset metrov“, bei sogar etwas schlechteren Verhältnissen als Kasai sie hatte. Obwohl klar war, dass Platz eins fest reserviert ist, kannte der Jubel fast keine Grenzen mehr. Das Publikum war einfach euphorisiert von der Qualität der Flüge, die Prevc ablieferte. Michael Hayböck musste nun nachlegen. 235 Meter sollten es schon bitte sein, wies die Anzeigetafel aus. Dass der „Hai“ das fliegen kann, bewies er bereits im ersten Durchgang. Aber auch jetzt, wo er zumindest auditiv mitbekommen hatte, dass Prevc wiedermal besser war als alle anderen? Während er anfuhr, beruhigte sich der Wind wieder. Hayböck überflog die grüne Linie knapp und landete bei 233,5 Metern.

„Wow, Respekt! Dem Druck hat er ja fast mühelos standgehalten“, bemerkte ich. Mikołaj sah das ähnlich: „Mit dem Flug haben die Österreicher Platz zwei erst recht verdient“. Auf der Anzeigetafel kam der viel zitierte gelbe Balken „oha, das muss aber echt knapp sein“, bekam ich noch vor dem Ergebnis heraus. Und wie! Der Balken blieb bei der zwei hängen, Prevc hatte die Slowenen tatsächlich noch an Hayböck und seinen Österreichern vorbeigeführt. Um 0,1 Punkte. „Wie gemein ist das denn bitte?!“, schüttelten wir alle lachend den Kopf. So ungerecht kann die Wind-und-Gate-Kompensation dann eben doch sein, bei allen Vorteilen, die sie mit sich bringt. Aber irgendwie konnten alle ja doch mit dem Ergebnis leben. Die Springer sowieso, denn die freuten sich auf ihre Party im Springerdorf, denen die polnischen Jungs beiwohnten. Ich traf mich nach dem Springen noch kurz mit Basia. Sie war dabei, ein paar Fragen für ein Interview mit Toni Innauer vorzubereiten. Welches, wie sie mir später schrieb, jedoch leider nicht stattfand. Dafür konnte ich ihr mit meiner Aufnahme der Doku über Gregor Schlierenzauer eine Freude bereiten.

Da so ziemlich alle Entscheidungen gefallen waren, hatte man viel Zeit, über seine Person zu diskutieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte man seit seinem Geburtstag nichts mehr von ihm gehört und es wurde viel über seine Zukunft spekuliert. Nach dem Wochenende gab es dann die Nachricht, dass er sich beim Skifahren das Kreuzband gerissen hatte. Inzwischen wurde er operiert und befindet sich bereits in der Reha. Er hat nochmals bekräftigt, dass das Skispringen immer noch sein Leben ist und er sich zurückkämpfen möchte. Es sei ihm von Herzen gewünscht!

Das großartigste Gefühl an der Schanze ist übrigens seit der endgültigen Fertigstellung des Planica Nordic Centers das Beschreiten des Weges vom Pressezentrum hinauf zu den Medienplätzen. Aus dem untersten Stockwerk des Multifunktionsgebäudes geht man zunächst durch eine Karbontür, schreitet ein paar Sekunden bis zur Glastür. Es folgen vier kurze Sektionen von Treppenstufen, ehe man auf der rechten Seite die nächste Tür öffnet. Nun biegt man links ab und sieht schon einen langen Trakt vor sich. Ein freundlicher Ordner hält einem die finale Tür auf, bevor man eine Minute lang am kältesten Ort des Nordic Centers überhaupt ist. Man befindet sich in einem unterirdischen Tunnel, der nur bis zur besagten Glastür geheizt ist. Die Sonne kommt hier gar nicht hinein, sodass man einen kurzen Moment friert. Doch dann erahnt man die Sonnenstrahlen und es geht etwa vierzig Stufen hinaus ins Freie. Man kommt unmittelbar am Ende des Auslaufs wieder ans Tageslicht. Hinter Einem befinden sich außer dem Gebäude die VIP-Tribünen. Auf der linken Seite sind die Stehplätze, schräg links hinter Einem weitere Stehplätze und auf der rechten Seite die beiden großen Sitzplatztribünen, sowie FIS-Family-Bereich, Mixed-Zone und ein Trakt für die Springer. Es ist, als würde man wie Lionel Messi in den größten Fußballstadien der Welt aus den Katakomben entsteigen und das Feld betreten. Einfach nur gewaltig!

Die Zuschauer ringsherum empfinden jede Person, die dort lang läuft als wichtig und das spürt man. Ich selber empfinde mich in dem Ganzen als weniger wichtig. Zumal man mir, im Gegensatz zu den allermeisten Kollegen, die dort herumlaufen, nicht ansieht, dass ich arbeite. Als Ausrüstung habe ich nichts weiter als Start- und Ergebnislisten und mein iPhone. Ehrlich gesagt, komme ich mir manchmal ein bisschen deplatziert vor, wenn Kollegen mit Kanonenrohr-artigen Fotokameras an mir vorbeilaufen. Aber das gehört irgendwo auch dazu, man gewöhnt sich dran. Und dass ich gearbeitet habe, sieht man hoffentlich an diesem Bericht, wie auch am vorherigen und dem finalen, der noch folgen wird. Also, seid gespannt und bis bald!



Schanzen:

SLO Planica (Letalnica)

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