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Luis auf Schanzen-Tournee: Einmal Adler sein!

am 18.02.2014

Mit einer ungewöhnlichen und sehr aktuellen Folge meldet sich unser Kolumnist Luis Holuch zurück aus seiner Schaffenspause. Im Rahmen des Damen-Weltcups im österreichischen Hinzenbach wagte sich Luis selber von einer Sprungschanze. Wie er dieses Ereignis wahrnahm, lest ihr nun der neuen Folge von "Luis auf Schanzen-Tournee".

Luis auf Schanzen-Tournee

von Skisprungschanzen-Archiv-Autor und -Fotograf Luis Holuch

Es ist ein Samstag, der erste im Februar. Nix besonderes würde man meinen – kennt man eben. Heute sieht es etwas anderes aus. 18 Jahre und ein halbes weiteres habe ich darauf warten müssen, dass es so weit ist. Ich werde Skispringer sein! Für wie lange – ob mehr als für zwei Minuten – weiß ich jetzt in diesem Moment noch nicht. Aber ich bin schon voll drin in meinem Muster und kann es kaum erwarten bis es losgeht. Das berühmte Adrenalin ist mit voller Wucht in mir.

Für meine Verhältnisse sehr ungewöhnlich bin ich bereits um 8 Uhr aufgestanden. Nach einem reichhaltigen Frühstück und dem gleichzeitigen philosophischen Gespräch über die Mahlzeit, deren Inhaltstoffe und deren Wirkung ging es kurz auf Zimmer und zu einem morgendlichen Joggen. Das habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Aber mir war einfach danach. Eine halbe Stunde lang mit Kopfhörern auf dem Ohr und ganz für mich alleine. Mir war nicht so recht nach einem Plausch, die Lockerheit fehlte einfach.

Früher, zu meinen Handballerzeiten habe ich mich morgens immer genauso aufgewärmt und den Kreislauf in Schwung gebracht. Der Körper wird so leistungsfähiger. Und ich selbst lockerer. Ein paar Dehnübungen für Ober- und Unterschenkel sowie dem Rumpf mussten natürlich auch sein. Mein Körper fühlte sich etwas wie Gummi an. Aber so soll es ja sein. Man muss flexibel, warm und wach im Kopf sein.

Und auch zumindest die Anfahrtshocke habe ich einstudiert. Mein Kumpel Brian, früher selbst gern mit Alpin-Ski auf den kleinen Schanzen unserer Republik unterwegs, half mir dabei. Ich bin zwar gut im Analysieren anderer, aber mich selbst schätze ich meist nicht treffend ein. Ich schickte ihm Bilder und er korrigierte mich soweit es ging. Inzwischen fühle ich mich wohl. Das „trockene“ Gefühl ist super. Fehlen nur noch die Sprünge!

Eine K12 wartet auf mich an diesem Abend. Es werden meine ersten beiden Sprünge von einer Sprungschanze sein. 40€ bezahle ich dafür. Jetzt mag sich manch einer fragen, wie man denn so bekloppt sein kann. Ist ja ein teurer Spaß. Aber auch ein Guter!! Das gesammelte Startergeld geht an ein herzkrankes 23 Jahre altes Mädchen aus der Region. Auch deshalb habe ich mich dazu entschieden, hier bei diesem Charity-Springen zu starten.

2 Sprünge stehen auf dem Programm. Ein Probedurchgang nachdem ich eine Zielweite angeben muss, welche ich im Wettkampfsprung dann erreichen muss. Als Jury haben sich u.a. Toni Innauer (mir graust es vor seiner Bewertung) und Ernst Vettori angekündigt, zwei Legenden des Skispringens. Sie werden Punkte von 1-3 abgeben. Ich frage mich, wie man in Alpin-Ausrüstung einen Telemark setzen soll, aber ich werde es irgendwie probieren. Die Arme zur Seite ausstrecken hat jedenfalls noch niemandem Punkte gekostet.

Im Gegensatz zum gestrigen Freitag ging das Programm mehr als langsam von der Bühne. Oft wurde unterbrochen und den meisten reichte es nach dem ersten Durchgang. Jedoch wurde noch ein zweiter angesetzt, welcher etwas schneller ablief. Mehr als zwei Stunden dauerte das Theater mit Sara Takanashi als Siegerin vor Daniela Iraschko-Stolz und Maja Vtič auf Rang 3. Ich musste nun noch einmal eine halbe Stunde zurück zur Unterkunft fahren und wieder eine halbe Stunde hin zur Schanze. Schnell habe ich die Sachen dann gepackt und mich im Eilverfahren der Personalienprüfung unterzogen. Psychisch totales Gift zur Vorbereitung: pure Hektik. Das hat mich schon als Handballtorwart immer aus der Bahn geworfen, manches Mal kam ich dann zurück, weil ich dann wach war. Und diesmal?

Nun, als ich meine Startnummer 30 bekam, gab es zunächst einmal Probleme, da die freundlichen Damen des Organisations-Teams kein Geld wechseln konnten. So stiftete ich nicht nur 40, sondern 50€ für die herzkranke Petra und ihre Familie. Dann hieß es aber weiterhin Beeilung, sollte es doch um 18 Uhr losgehen. Um 18 Uhr hatte ich noch nicht einmal meine Skischuhe angezogen. Eigentlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt noch einmal meine Abläufe simulieren…Pustekuchen!

Im Sprint bin ich vom hochmodernen Funktionsgebäude der UVB Hinzenbach rüber zur kleinsten Schanze geeilt, um mich anzustellen. Am Fuße der Metalltreppe mahnte ich mich dann aber doch noch zur Ruhe und stieg in der Seelenruhe eines Janne Ahonen die Treppen hinauf. Mit der Startnummer auf dem Körper fühlte sich das Ganze auch schon sehr echt an. Ich bekam mehr und mehr das Gefühl wie es ist, Skispringer zu sein.

Durch die Hektik und auch durch den Adrenalinspiegel hatte ich vergessen, meine Handschuhe anzuziehen, diese weilten in der Umkleidekabine. Aber das ist ja auch nicht verkehrt, man sagt ja man habe besseres Körpergefühl wenn man die Handschuhe nicht anhat beim Sprung. Und so kalt war mir auch nicht, dass ich die unbedingt gebraucht hätte.

200 Zuschauer waren etwa gekommen plus die 42 Athleten, die sich in 3er Teams aufsplitterten. Da waren großartige Namen dabei wie „Albatross“, „Volksbank“, „Bürgermeister aus der Nachbarschaft“ oder auch „die Gemüsehändler“. Doch das fiel mir erst wieder ein, als Stadionsprecher Jakob zusammen mit DJ Andi die Veranstaltung eröffnete. Ich dachte nur „Herr Gott, mit wem bin ich denn in einem Team?! Ich kenne nicht einen von denen hier. Und der einzige Deutsche bin ich auch noch“.

Doch der erste Springer lenkte mich davon wieder ab. 8,5 Meter sprang er. Ich nahm mir vor, diese Weite auch als Ziel zu nehmen. Auf den K-Punkt (10 Meter) zu springen wäre für den ersten Sprung schon überragend. Einige mehr scheiterten noch an dieser Marke. Als die erste Frau 9m sprang, wurde mir schon sehr warm. Klar versucht man so etwas an sich nicht herankommen zu lassen, aber die Evolution hat den Gedanken des stärkeren Geschlechts doch irgendwie noch bei mir verankert. So dachte ich: „also die musst du schlagen. Das sieht ja nicht aus“. Die Startnummer 22 sprang dann den besten Versuch auf 12,5 Meter, konnte diesen aber nicht stehen.

Inzwischen war ich oben am Anlauf angekommen. Da tat sich ein weiteres Problem auf: die Spur. Das war kein Schnee, sondern Keramik. Ich machte mir Sorgen um meine Ski. Weder gewachst, noch eingestellt auf Keramik. „Und wer ist denn nun in meinem Team??“ geisterte es im Kopf herum. Da fing ich noch an zu rechnen – ich Vollidiot, soll doch gleich springen! – die Startnummern 28 und 29 gehören zu mir. Die 28 war ein Herr neben mir, Mitte 40 schätze ich ihn, schlank gebaut, etwas kleiner als ich. Mit dem ließ sich was anfangen.

Und die 29 stand weit unten am Anlauf; „aha, ein Könner also“, dachte ich. Der lachte auch die ganze Zeit und war mit Abstand der lockerste von allen. Es war tatsächlich ein Könner! Andreas Goldberger, wie er leibt und lebt. Mit einem Handschlag begrüßte er mich und meinte gleich so schlank wie wir alle drei seien, würden wir locker gewinnen. Ich bremste ihn ein wenig, indem ich ihm sagte, dass das mein allererstes Mal sei. „Dann wird des a Erfolgsg’schichte“, erwiderte er und haute mir auf die Schulter.

Ich war so fasziniert von diesem Typen und vergaß alles um mich herum. Er sprang locker 13,5 Meter, mein anderer Kollege gute 9 Meter. Nun war ich also dran. Jetzt gilt’s, denkt man ja eigentlich. Aber ich nicht. Ich war irgendwie nicht richtig anwesend. So passierte es mir, dass ich aus der zweitniedrigsten Luke startete (dieselbe wie Goldi). Ist `ne super Idee für Anfänger echt! (Achtung, Ironie).

Doch bevor ich es merkte, musste ich schon los. Die Hocke war so, wie einstudiert, nur viel schwieriger zu halten als ich dachte. Und als der Schanzentisch dann kam, riss ich die Arme nach vorn, anstatt den Oberkörper. Der größte Fehler, den man überhaupt nur machen kann. Nach unter einer Sekunde war der Sprung zu Ende und ich hab sofort begriffen, dass der nix war. In den hohen Skischuhen war mir aber auch nie danach, mich nach vorne zu stürzen, so wie es sein sollte. Ich wartete auf die Weite. 6,5 Meter hallte es durch die Boxen.

Unter dem Strich hieß dies: ich bin nahezu über den Schanzentisch drüber gefahren, habe mich nicht nach vorne rausgedrückt, so wie es sein sollte. Das habe ich aber schon beim Ausfahren bemerkt. Es ist aber auch wahnsinnig schwierig, das zu tun, da man ja in den Alpinen Skischuhen nahezu festgeschweißt ist. Und was noch dazukam war die Tatsache, dass wir auf Keramik anfuhren und nicht auf Schnee. Das ist selbst für einen geübten Skifahrer wie mich (15 Jahre Erfahrung) eine Quälerei.

Das bestätigte mir auch direkt der nächste Starter. Er fuhr auf mich zu, stieg aus seinen Bindungen und zeigte mir seine Kanten, die nun mehr oder weniger stumpf waren. Da kam mir die Idee dasselbe zu tun. Ergebnis: Kratzer und nahezu kein Grip mehr drauf. „Na toll, das fehlte ja noch“, brummte ich. Aber es half ja alles nix. Ich schaute noch den letzten 10 Leuten zu, die bis auf 3-4 Ausnahmen meinen Sprung toppten.

Und während ich noch überlegte, was ich denn nun richtig machen könnte und welche Weite ich als Ziel angeben wollte, war Goldi schon wieder voller Tatendrang. Er sprintete zum Skiraum und kam mit einem abgeschnittenen Sprungski zurück, der so lang war wie ein Mono-Ski. Selbstverständlich hatte er seine Sprungschuhe auch dabei, so dass er in die Bindung konnte. Alle, die noch auf ihren Start warten mussten, fassten sich lachend um den Kopf und ich brachte auf den Punkt, was alle dachten: „du fliegst uns jetzt also noch mehr um die Ohren ja?! Herr im Himmel, der Wahnsinn!“

Der zweite Durchgang begann, Modus Zielspringen. Also musste jeder Athlet eine Weite nennen, die er erzielen wollte und diese möglichst genau springen um die maximale Punktzahl zu erhalten. Wurde diese nicht gesprungen, gab es Punktabzug, selbst wenn es weiter ging als prognostiziert. Die angekündigten Haltungsnoten gab es übrigens doch nicht, wurde mir in der kurzen Pause gesteckt. Also konnte man noch mehr Risiko gehen. Die Punkte der drei Teammitglieder wurden dann addiert und das Team mit der höchsten Punktzahl sollte gewinnen, logischerweise.

Nachdem ich mir meinen Sprung noch einmal angesehen hatte – mein Freund Freddi hatte ihn aufgenommen – und erst einmal eine Weile lachend am Boden verbrachte, beschloss ich „auf’n Putz zu hauen“. Der zweite Sprung sollte sitzen! Wenn ich im Team schon Letzter werden sollte, dann wenigstens nicht so auffällig wie im ersten Durchgang. Und dazu wollte ich erst einmal eine grundlegende Sache verändern: die Anlauflänge. Diesmal wollte ich nicht aus derselben Luke wie Goldi und mein anderer Kollege, dessen Namen ich nicht mehr parat habe, springen.

Schon allein deshalb stellte ich mich als Goldi auf dem Balken saß ganz oben an den Ablauf. Und der tat genau alles, um mich aus der Fassung zu bringen. Als ob es um den Olympiasieg ging, fuhr er los und knallte bei 15,5 Meter einen astreinen Telemark hin, das war Schanzenrekordweiter! Er sprang sogar noch einen halben Meter weiter als er voraussagte. Das war zwar an für sich super, brachte aber – wie erklärt – Minuspunkte. Der Zweite unserer Riege sprang 9 Meter, wie vorausgesagt. Nun war ich also wieder an der Reihe.

Der Balken, den die beiden vor mir genutzt haben, wurde hochgeklappt und die drei Jungs (Stadionsprecher Jakob plus zwei Helfer) kamen zu mir. Ich zupfte alles zurecht, setzte mich auf den Balken und wartete auf das Startzeichen. Doch alles verzögerte sich ein wenig, so kam Jakob noch auf die Idee, mit mir zu schwätzen. „Sag mal wie ist das denn so, mit dem Goldi in einem Team“, fragte er mich. „Was gibt’s da groß zu sagen? Das ist schon sehr lässig, weil er einfach `ne Marke ist, hat man ja gerade gesehen. Der beste Kapitän, den man sich wünschen kann.“ „Und glaubst du, du kannst mit ihm mithalten? Er hat ja gesagt, dass du jetzt 16 Meter springst“, fragte er kess. Ich sagte nur lachend: „danke für die Blumen aber das ist erst mein zweiter Sprung. Das wäre fatal, wenn ich das springen würde. Bei aller Ehre, die es für mich ist, mit ihm im Team zu sein, ich wäre froh, wenn ich 8,5 Meter erreichen würde“.

Das war das Signal, dass ihn zum Aufgeben bewog. Ich ließ mich nicht aus der Reserve locken, dafür bin ich zu sehr Realist. Die Schanze war nun auch frei. Ich klopfte mir zweimal auf die Brust und fuhr los. Diesmal nicht ganz so tief in der Hocke, um besser hochkommen zu können beim Absprung. Etwa 5 Meter vor der Kante war ich in der optimalen Position – für den Absprung. Doch das merkte ich gar nicht, für mein Gefühl war ich zu langsam und zu aufrecht. Aber anstatt diese Position zu halten und über die Kraft zu gehen, ging ich wieder hinunter und verpasste die Kante erneut. Ich war länger in der Luft, aber von der technischen Ausführung her war der Sprung noch schlechter als der erste.

Die Weite war mit 7,5 Meter zwar besser – auch in Bezug auf das Gesamtergebnis – aber insgesamt war es doch enttäuschend. Spaß gemacht hat es nichtsdestotrotz ungeheuer, das könnte ich jeden Tag machen. Nur leider hab ich eben auch rund 80 Kilometer bis zu den nächsten Schanzen zu fahren. Aus der Springerkarriere wird wohl leider nichts mehr, es sei denn ich werde Staatsbürger einer anderen Nation und werde gefördert. Aber Spaß beiseite – ich kann mir gut vorstellen, das regelmäßiger zu machen. Dann aber mit Sprungausrüstung. Mit etwas Training könnte ich ein passabler Hobbyspringer werden und mit Brian hab ich ein gutes Beispiel in meinem Freundeskreis. Ich werde auf jeden Fall jede Chance nutzen, die sich bietet. Und ich kann jedem nur empfehlen, es selbst auch mal zu probieren. „Des is a ries’n Gaudi“, sagt der Ösi!

Schanzen:

AUT Hinzenbach (Energie AG-SkisprungArena)

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2)   Peter Pretorius   schrieb am 20.02.2014 um 00:38:

Sehr gut geschriebener unterhaltsamer Bericht. Beim Lesen wird einem nicht langweilig. Da ist durchaus Potential für eine journalistische Karriere. Gute deutschsprachige Journalisten sind ja sehr rar gesät wenn es ums Skispringen geht. Mit Alpinski kann man durchaus auf kleinen Schanzen an oder sogar über den K-Punkt springen wenn das Timing und die Sprungkraft stimmen. Je größer allerdings die Schanzen werden, desto kürzer und gefährlicher werden dann die Sprünge. Bei einer K-50 landet man dann meistens schon auf dem Vorbau.

1)   dotdot   schrieb am 18.02.2014 um 22:17:

Boooring and cocky



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