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Luis on Tour: Seefeld und Innsbruck

am 26.06.2012

Wir überbrücken die (fast) skisprungfreie Zeit mit einer neuen Epsiode von "Luis on Tour" von den Seefelder Toni-Seelos-Schanzen und dem Innsbrucker Bergisel.

Luis on Tour: Ein Schanzenfan auf Achse

von Skisprungschanzen-Archiv-Autor und -Fotograf Luis Holuch

Dieses Mal haben wir ein Novum in der Kolumne „Luis on Tour“: Im neusten Teil berichtet Skisprungschanzen-Archiv-Autor- und –Fotograf Luis Holuch von zwei Schanzenbesuchen, nämlich Seefeld in Tirol und der Bergisel-Anlage in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck. Dieser Teil schließt an die vorherige Folge aus Garmisch-Partenkirchen an, die hier zu finden ist. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Toni-Seelos-Sprunganlage (K99, K70) in Seefeld in Tirol

Die Landesgrenze Deutschlands zu Österreich ist von Garmisch-Partenkirchen aus gesehen per Luftlinie ein Steinwurf. Die B2 ist zur Überquerung das wichtigste Verkehrsorgan. Diese führt an den Westlichen Karwendelspitze in Mittenwald vorbei nach Tirol, wo sie dann B177 heißt. Sie ist quasi eine Parallelstraße zur Fernpassstraße und führt bis an die A12, die Inntalautobahn nach Innsbruck (nach Osten) oder nach Vorarlberg (Westen).

Im österreichischen Radio Ö3 werden acht Kilometer Stau am Brenner gemeldet und den müssen wir überqueren, um unser Endziel in Südtirol zu erreichen. So entschließen wir uns eine andere Taktik zu wählen, nämlich den Stau vor uns her zu schieben und biegen nach Seefeld ab. Wir benötigen etwa eine ¾ Stunde von Garmisch aus, bis wir den Luftkurort erreichen. Wir sind überrascht davon, wie viel Verkehr im 3161-Einwohner-Städtchen herrscht. Das Überraschendste an diesem Umstand ist, dass die Verkehrsteilnehmer aus Italien und der Russischen Föderation kommen. Es scheint nichts Ungewöhnliches zu sein, dass hier Italiener im Urlaub sind. Die Begrüßungsschilder einiger Hotels sind auf Italienisch.

Vorbei an der Kapelle und dem Langlaufzentrum geht es zum Gschwandtkopf. Dort befinden sich die Schanzen. Rings herum sind einige Skilifte verteilt, ein 4er-Sessellift ist in Betrieb. Der Andrang an Wanderern hält sich allerdings in Grenzen. Kein Wunder bei 30 Grad im Schatten, außerdem lädt die Gegend nicht gerade zum Wandern ein. Wenig Abwechslung und keine Waldwege sind die Ursache dafür. Auch das Skifahren kann nicht wirklich ein Knaller sein, bei einer maximalen Höhe von 1500 Metern ü.NN.

Wir fahren auf den Parkplatz an der Talstation des Sessellifts und steigen aus dem Auto. Es sind nur wenige Meter in die Casino-Arena, zu der asphaltierte Langlaufstrecken, die zwei Schanzen und ein kleiner Schießstand gehören. Von der Seite sind die Schanzen fast gar nicht zu sehen, also gehen wir am Hotel vorbei. Wir passieren den Schießstand mit 6 Bahnen und gehen auf das Monument des Sponsors zu, welches noch hinter dem Auslauf der Schanzen steht und aus dunklem, schwerem Stein besteht. Da es in der prallen Sonne liegt, hat es sich erhitzt und ist als Sitzgelegenheit ungeeignet, was meine Mutter und mein Bruder sofort zu spüren bekommen.

Aufgrund der Hitze gehen wiederum nur mein Vater und ich auf den Weg die Schanzen hoch. Den Springerlift können wir nicht nutzen, er ist abgeschaltet. So gehen wir die Metalltreppen der kleinen Schanze hoch. Das ist ein sehr gutes Konditionstraining. Als wir oben sind, machen wir zunächst Fotos ins Tal, dann wollen wir auf den Anlauf, doch der ist abgesperrt. Auch zum Trainerturm hat man keinen Zutritt. So bleibt uns lediglich die Sicht von der Aufsprungbahn, direkt am Schanzentisch. Die beiden Schanzen sehen wie eine Kopie der jeweilig anderen aus. Der Weg von der kleinen zur Normalschanze ist nicht sonderlich weit. Wir gehen den Berg entlang und kommen schließlich bei etwa 30 Metern der Toni-Seelos-Schanze an. Von dort aus gehen wir wieder per Metallstufen nach oben zum Schanzentisch. Auch diesen Anlauf können wir nicht erklimmen, weil er abgesperrt ist. Jedoch gibt es direkt am Schanzentisch eine Plattform, von der aus ich den Anlauf fotografieren kann. Auch Fotos ins Tal kann ich machen, so dass man gut sieht, wohin sich der Springer beim Absprung stürzt.

Viel spektakulärer ist es dann aber leider nicht mehr. Im Spezialspringen spielt die Anlage ja bekanntlich keine allzu große Rolle, sondern sie ist nur bei Kennern der Nordischen Kombinations-Szene bekannt. Wahrscheinlich sind die beiden Schanzen deswegen architektonisch keine Besonderheit, auch wenn die Konstruktion relativ verschachtelt ist und gut aussieht, aber sie ist monoton. Die Schanzen sollen wohl eher zweckerfüllend sein, als meisterliche Bauwerke in der Alpenlandschaft.

Wir machen uns also auf den Rückweg von der großen Schanze und benutzen wiederum die Metallstufen in Nähe des Springerlifts und am neuen Juryturm vorbei. Der ist indes tausendmal schöner als der Trainerturm. Man hat von hier aus weiterhin einen schönen Blick auf den Ort und die umliegenden Skigebiete der Olympiaregion Seefeld.

Apropos Olympia: Die 1. Jugendolympischen Spiele fanden Anfang 2012 in Innsbruck statt. In Innsbruck fanden die Alpinen Ski-Wettbewerbe statt, genauer gesagt im Areal der Nordkette, bei der sogennanten Seegrube, ein ziemlich steiles Gelände und ein kleines, aber feines Skigebiet. Es ist nicht besonders schön, aber die Aussicht von dort umso schöner. Die Eiskanalsportarten wurden in Igls am Patscherkofel auf der olympischen Bob- und Rodelbahn ausgetragen, die Skisprungwettbewerbe in Seefeld, 15 Autominuten von Innsbruck entfernt. Darauf verwies eine Nachbildung der beiden Schanzen in Nähe des Auslaufs, die mit „YOG 2012 Seefeld“ beschriftet war.

Mittlerweile ist es fast 12 Uhr und die Sonne steht nun weit oben und brennt hinab. Da wir bereits viele Meter zu Fuß zurückgelegt haben, sind wir nun glücklich darüber, dass wir nun eine Pause machen können. Wir gehen zum Hotel Sportleralm an der Talstation der Sesselbahn. Dort bestellen wir uns Wasser und drei Eisbecher. Als wir die Rechnung bekommen, stellen wir erstaunt fest, dass die 0,33l-Wasserflaschen satte 4,80 € gekostet haben und die Eisbecher 6,50 €. Ich denke: „Das kann doch nicht wahr sein, die bieten nur diese kleinen Flaschen an und dann zu diesem Mörderpreis! Hier stimmt doch etwas nicht!“ So bitte ich die anderen drei noch kurz auf mich zu warten, um nachzuschauen, um was für einen Laden es sich hier handelt. Ich falle vom Glauben ab, als ich sehe, dass das Hotel ein Fünf-Sterne-Hotel ist und teile es den anderen mit. Deswegen sehen wir ganz schnell zu, dass wir uns vom Acker machen.

Bergisel-Olympiaschanze in Innsbruck (K120)

Wir fahren also, nachdem wir gemeinsam mit den gefühlten acht Duzend Italienern noch Kleinigkeiten einkaufen waren, wieder Richtung Bundesstraße. Unsere Tankanzeige im Auto zeigt an „Bitte Tanken“ und das kommt uns gerade Recht, denn wir haben noch keine Vignette gekauft. Wir fahren zu einer Jet-Tankstelle und tanken den Liter Super-Sprit für 1,33 €, was angesichts der damaligen und heutigen Spritpreise ein wahres Schnäppchen ist. Zum Vergleich: Ein 3/4-Jahr später kostete der Liter Super bei Jet 1,55 €.

Den günstigsten Benzinpreis, den ich je gesehen habe, habe ich in Italien gesehen. Genauer gesagt in Livigno, das liegt in der Lombardei und ist im Winter sehr schwer zu erreichen, weil es in einem schwer zugänglichen Tal liegt. Das Gebiet ist wie die Samnaun in der Schweiz zollfrei und daher sehr günstig. Die Geschäfte sind dort überfüllt und die Pisten im Skigebiet dafür sehr leer. An einer Shell-Tankstelle kostete der Liter Benzin jedenfalls 1,00 €. Die Italiener verkaufen in der Regel nur zwei Treibstoff-Sorten, nämlich Diesel und „senza piombo“, also Benzin bleifrei.

Wir kaufen also noch eine 10-Tages-Vignette, die weniger kostet als unsere Mittagspause. Der Verkehr läuft flüssig und wir sind schnell in der Tiroler Landeshauptstadt. In Nähe des Skigymnasiums Stams kommen wir auf die Autobahn. Das einzige Problem taucht erst auf der A12 auf, als wir auf die Brennerautobahn abbiegen wollen: Eine Baustelle, die dafür sorgt, dass die Auffahrt Richtung Brenner-Bozen einspurig wird. Leider sind immer noch viele LKW unterwegs, die das Ganze nicht leichter machen. Nach kurzem Stop-and-go kommen wir aber auf die A13 und biegen schon bei der nächsten Ausfahrt wieder ab, Richtung Innsbruck-Süd.

Nach gerade einmal fünf Minuten erreichen wir den Parkplatz des Stadion und des Tiroler Landesmuseums, das allerdings geschlossen hat. Zu Fuß geht es an einem Schießstand und einem Kaiserdenkmal vorbei. Ein paar Treppenstufen und dann links abbiegen, schon steht man vor dem Areal des Bergisel.

Wir kaufen eine Familienkarte für 15,00 €, die Zutritt für uns vier, sowie Fahrten mit dem Lift und Aufzug beinhaltet. Vom Eingang aus sieht man nur den Lift und den Anlaufturm, viel mehr nicht. Nachdem wir das Drehkreuz passiert haben, tauchen immerhin schon einmal die Matten auf, die gerade bewässert werden. Ein gutes Zeichen dafür, dass die Anlage genutzt wird. Schon sehen wir zwei Jungs mit Sprungski und geöffneten Anzügen, die sich auf den Weg zum Lift machen. Wir gesellen uns dazu und drücken auf den Rufknopf. Der Lift ist bereits auf dem Weg nach unten, so dass wir nicht allzu lange warten müssen.

Als die Türen aufgehen, lassen wir den beiden Jungs den Vortritt, aber die haben gar keine Lust zu sitzen. Die Plätze nehmen dann meine Mutter und mein Bruder ein. Ich bin neugierig und stelle den Jungs ein paar Fragen. Sie erzählen, dass sie noch Jugendspringer sind, aber schon von Kindesbeinen an springen und demnächst den österreichischen C-Kader anvisieren.

Ich sage: „Mit meiner Figur wäre ich wohl auch ein guter Springer geworden, aber ich bin wohl zu alt.“ Darauf der blonde: „Wie alt bischt du denn? Du schaust schmal aus und groß bischt’ auch noch!“ Ich antworte: „Ja, ich bin 1,88 m und wieg momentan 62 kg. Mit 16 Jahren.“ (Ich bin mittlerweile 17 mit denselben Maßen). Der schwarzhaarige sagt:„Ja, dann bischt in der Tat zu alt, um jetzt noch anzufoangen. Aber die Anlagen hättescht in jedem Foall. Du hascht ja en kloanaren BMI als wia.“ Das nehme ich wiederum auf: „Das wundert mich jetzt aber, ihr habt doch keinen Gramm Fett am Körper, ihr seid nur kleiner als ich.“

Aber leider ist der Lift schon oben und unsere Wege trennen sich dann. Ich wünsche den beiden noch gute Sprünge und bin hellauf begeistert. Sehr nett, die beiden!

Nun stehen wir vor dem Aufzug, der drei Etagen bedient: 1. Lager (Nur für Springer und Verantwortliche) 2. Anlaufturm (Nur für Springer) 3. Panoramaplattform und Restaurant

Wir drücken also auf den dritten Knopf und der Aufzug fährt los. Oben angekommen, müssen wir noch ein paar Stufen laufen, bevor wir ins Restaurant mit verglasten Wänden kommen. Ein Mal um die Theke herum, und schon öffnet sich die Tür zur Plattform. Der 360-Grad-Blick ist beeindruckend. Keine Position, in der nicht etwas Aufregendes ist. Jetzt weiß ich aber, wie es ist, vor dem Absprung auf einen Friedhof zu schauen! Von hier aus beobachten wir die zwei Sprünge und den neuerlichen Bewässerungsvorgang.

Allerdings scheint sich danach nichts mehr zu tun und wir fahren wieder auf Ebene 0, direkt am „Fischbauch“, eine filigrane Konstruktion unterhalb des Anlaufs, die zur Stabilität beitragen soll. Von hier aus sind es nur ein paar Schritte zum Schanzentisch. Dort hängt eine Anzeigentafel, die Auskunft über die Anlaufgeschwindigkeit gibt. Die letzte Messung betrug 100,5 km/h. Das ist auf Flugschanzen üblich, aber auf keiner Großschanze, die Jungs, die hier trainieren scheinen noch nicht so weit zu sein. Auch das Material, das sie benutzen ist nicht neu, aber die beiden sind eben noch keine Profis.

Die Sprünge gingen aber trotzdem über den K-Punkt, was eine passable Leistung ist. Im Gegensatz zu Seefeld herrscht ein wenig Wind, der aber von den Windnetzen links und rechts neben der Schanze gebremst wird. Die beiden Jungs haben sich inzwischen auf den Weg zum Auto gemacht, das am Schanzenkopf auf einem Parkplatz steht. Wir begeben uns talwärts mit dem Lift. Erst jetzt sehe ich, was unterhalb bzw. neben der Aufsprungskonstruktion verbirgt, nämlich kleine Verwaltungsbüros. Noch beeindruckender ist aber der Jury- und TV-Turm. „Da würde ich gerne einmal arbeiten“, denke ich und setze mir dies als Ziel für meine Zukunft.

Unten angekommen, beginnt ein kleines Fitnesstraining, nämlich Treppenlaufen. Will man frontal auf die Schanze blicken, muss man sich neben das olympische Denkmal mit Feuer stellen. Die Kupfertafeln, die den Stein bedecken haben alle Podiumsplazierte der Olympischen Winterspiele 1974 eingraviert. Die meisten Namen sagen mir rein gar nichts, auch mein Vater kennt nur relativ wenige, hauptsächlich vom Alpinen Skilauf. Ich schieße in Ruhe ein paar Fotos, habe aber dann doch relativ schnell das Bedürfnis, mich hinzusetzen, weil es noch einmal heißer geworden ist und die Schanze direkt in der Sonne steht, aber sehr majestätisch!

Fast zwei Stunden haben wir hier zugebracht, viel mehr, als wir eigentlich wollten, aber es hat sich allemal gelohnt. Unser Plan ging aber leider nicht auf, dazu mehr in der nächsten Folge, in der ich den Besuch der Schanzen in Dobbiaco/Toblach und – ausnahmsweise - andere Erlebnisse des Urlaubs schildere.

Ich bedanke mich fürs lesen und schreibe fleißig weiter!

Euer Luis Holuch



Schanzen:

AUT Seefeld (Casino Arena)
AUT Innsbruck (Bergisel)

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1)   Andi   schrieb am 26.06.2012 um 21:01:

zufall

hey auf dem foto bin ja ich :D



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