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Luis on Tour: Garmisch-Partenkirchen

am 25.03.2012

Zum Ende der Skisprung-Saison geht es nun wieder weiter mit "Luis on Tour" und der Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen.

Luis on Tour: Ein Schanzenfan auf Achse

von Skisprungschanzen-Archiv-Autor und -Fotograf Luis Holuch

Garmisch-Partenkirchen – Olympiaschanzen (K125, K80, K43, K20)


Das blödeste am Urlaub ist das Ein- und Auspacken der Koffer! Besonders, wenn man mehrere Tage an einem Ort ist und dann weiterfährt. Gerade hat man den Krempel und die Klamotten ausgepackt und schon ist die Zeit vorbei und der Koffer muss für die nächste Station gepackt werden. So war es auch bei uns. Sieben Tage und sechs Übernachtungen in Oberstdorf, dann ging es weiter in Richtung Taisten-Wiesen/Tesido-Prati in Südtirol (Deshalb diese Doppelnamen).

Aufgrund der umständlichen Anreise dauert die Fahrt durch die Ausfahrt aus Oberstdorf etwa 4 Stunden, wenn man am Brenner keinen Stau hat und auch wenn es nur an die 370 Kilometer sind. Um 8.00 Uhr sind die letzten Koffer verstaut und wir steigen ins Auto. Das Tal schläft um diese Uhrzeit noch. Nur ganz wenige Wanderer sind auf dem Weg zu sehen, von Radfahrern ganz zu schweigen. Noch einmal passieren wir Fellhornbahn und die Skiflugschanze, die ein wenig vom Nebel bedeckt ist. Kurz danach auch das Langlaufstadion. Und immer noch kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie es hier im Winter mit Schnee aussieht. Auch den Höllwieslift und die Karatsbichl-Schanze lassen wir hinter uns.

Dann biegen wir kurze Zeit später auf die B19 Richtung Sonthofen ab. Und schon ist der Ort hinter uns verschwunden – spätestens nachdem wir die Erdinger-Arena passiert haben. Obwohl mein Vater den Weg kennt, hat er das Navigationsgerät eingeschaltet und „lässt sich überraschen, was die Uschi uns sagt“.

6 Kilometer sind es von Oberstdorf nach Fischen im Allgäu und noch einmal genauso weit nach Sonthofen. Dort biegen wir nach Osten auf die B308 Richtung Bad Hindelang/Tannheimer Tal(A) ab. Ab dem Ort Tiefenbach beginnt die Strecke landschaftlich schön zu werden. Für Motorradfahrer ist die Straße ein Paradies; sanfte Kurven und glatter Asphalt kennzeichnen die Straße, die leicht ansteigt. Kurz danach folgt dann auch schon das Skigebiet Bad Hindelang – Oberjoch – Unterjoch. Mit einer Länge von Luftlinie ca. 6 Kilometer dehnt es sich bis an die Grenze aus, die man auch recht schnell erreicht.

Von dort an geht es wieder abwärts, nachdem man den Oberjoch-Pass überwunden hat. Nach Kappl und Zöblen folgt dann Tannheim, der Namensgeber für das Tal, welches ebenfalls Skigebiete aufweist. In Österreich ist dies die B199. Diese führt auch am kristallblauen Haldensee vorbei. Ab dem Ort Nesselwängle geht es wieder bergauf bis zum Gaicht-Pass. Nach der Passhöhe wird die Straße sehr schmal und wird von Steinmauern von einem ¾ Meter Höhe begrenzt.

Viele Serpentinen führen der Berg hinab, bevor man auf die B198 fährt und Reutte passiert. Wir fahren auf die Fernpassstraße, die gen Süden führt. Dabei bewege ich mich erstmals über die neue Umgehungsstraße von Heiterwang. An Bichlbach vorbei, führt die Straße nach Lermoos, wo dann die B179, die Ehrwalder Straße, abzweigt. Diese wird in Deutschland zur B23 und mündet in die A96 Richtung München.

Durch die komplizierte Verkehrssituation dauert es etwas bis wir die richtige Richtung gefunden haben. Aber spätestens als wir die Schanzen aus dem Ort Partenkirchen (der völlig zu Unrecht von vielen Leuten weggelassen wird) sehen, finden wir den Weg. Wer sich nicht auskennt, sollte versuchen Verkehrsschilder mit der Aufschrift „Partnachklamm“ ausfindig zu machen.

Das Skistadion Garmisch-Partenkirchen liegt am Gudiberg neben Tennisplätzen und einer Sommerrodelbahn. Die Steinmauern und das Tor, das von Römerstatuen flankiert werden, begrüßen am Eingang die Besucher. Man sieht deutlich, dass das Stadion in den 1930er-Jahren gebaut wurde, von den Nazis.

Von der Ferne sieht alles ganz rustikal und massig wirkt, aber nicht unschön. Die Realität sieht anders aus: Überall stehen Schilder „Betreten verboten“ und die Steinplatten sind mit Moos bewachsen. Die sogenannten VIP-Plätze sind lediglich erhöht und haben denselben Untergrund und Komfort wie alle anderen auch. Das modernste am Stadion ist neben der Tafel zur neuen Großen Olympiaschanze, deren Modell mit einem Airbus A380 verglichen wird, das Restaurant. Dort genehmigen wir uns ein zünftiges, bayrisches Frühstück. Es gibt Brezeln und Weißwurst mit süßem Senf.

Es ist 10.30 Uhr, aber schon ziemlich heiß und ich habe meine Sonnenbrille im Auto liegengelassen, was die Besichtigung erschwert. Und dennoch ist mein Leid geringfügiger als das des Stadions und der Jungs der Fußballmannschaft, die im Stadion trainiert, da heute keine Mattensprünge stattfinden. Die Jungs werden von ihrem Trainer den Schanzenberg hochgescheucht und drehen ihre Runden im Areal.

Ich mache mich mit meinem Vater auf den Weg nach oben. Zunächst gehen wir zur linken Tribüne und stellen uns auf, um ein paar Fotos zu machen. Auch von der Zugspitze, die man aus dem Stadion wunderbar sehen kann. Dann begeben wir uns zur K43, die direkt am Rand liegt. Diese ist relativ modern und hat eine Keramikspur im Anlauf. Die Holzstufen daneben sind ziemlich schmal und feucht, da sie immer im Schatten liegen. Von dort aus geht’s zur Kleinen Olympiaschanze, die sich im selben Gewand präsentiert, wie die alte Große Olympiaschanze. Ein Metallteil, das grasgrün angestrichen wurde.

Doch hier kristallisiert sich ein krasser Kontrast heraus: Auf der einen Seite die ziemlich kleine Normalschanze, die seit ihrer Eröffnung keine Renaissance erfahren hat und aus zwei Teilen, dem Metallanlauf und dem Aufsprunghang, besteht, aber auf der anderen Seite der „Eiskristall“. Diese hypermoderne architektonische Meisterleistung, welche nur eine Konstruktion ist. Der Aufsprunghang beginnt am Fuß, auf dem die Schanze steht und führt darunter her, ehe der Schanzentisch den Übergang zum eigentlichen Zweck darstellt.

Auf der Straße, die den Berg entlangführt, hat man die Möglichkeit „unter“ die Schanze zu gelangen. Die Stahlkonstruktion und die Statik sind so verschachtelt, dass einem der Atem im Hals stecken bleibt. Mit den Fotos, die wir machen, könnte man ein Bilderrätsel machen; entweder „Was ist auf dem Bild abgebildet?“ oder „Finden Sie den Fehler im Bild!“.

Wir stellen mit Erstaunen und Enttäuschung fest, dass alles abgesperrt ist, so dass wir nicht auf den Turm können. Von der Stelle, an der wir stehen, können wir die berühmten 300-und-ein-paar-Zerquetschten-Stufen sehen, die früher, zu Zeiten als es den Aufzug nicht gab, und auch danach – wenn er nicht funktionierte - den Springern immer wieder ein gutes Aufwärmprogramm bescherten.

Wir wandern weiter und erreichen eine Plattform in Nähe des Schanzentisches, von der man schräg den Berg hinab sieht. Die Matten sieht ziemlich trocken, was an den hohen Temperaturen liegen könnte, aber auch darauf hindeuten kann, dass schon länger keine Sprünge durchgeführt wurden. Von hier sieht man am Besten, wie schräg der Turm wirklich ist und wie weit er nach hinten zeigt. Auch die „Haut“ der Schanze glänzt im Sommer.

Nach kurzer Zeit begeben wir uns allerdings wieder nach unten, da wir keine Aussicht auf neue Perspektiven zur Schanze haben. Es geht am Juryturm und auch am Trainerturm vorbei, die schmalen Stufen hinab. Die Fußballmannschaft spielt inzwischen unten im Auslauf, so dass wir ungestört nach unten können.

Die meisten Besucher, die durch das Stadion strömen, wollen zur nahegelegenen Partnachklamm und schießen nur kurz aus der Ferne Fotos von den Olympiaschanzen. Ich bin immer noch beeindruckt, da ich nicht gedacht hätte, dass es an einem Ort solche Gegensätze zwischen Gestern und Heute, Antike und Moderne, Nazi-Deutschland und der Bundesrepublik, gibt.

Der Weg endet seitlich an der rechten Tribüne des Stadions, allerdings zweigt ein weiterer zum Gudiberg ab. Dort wo 2011 Maria Riesch (damals noch unverheiratet), Felix Neureuther und Konsorten den WM-Slalomhang in weichem Kunstschnee hinab gefahren sind, ist ein eingefräßter Weg und Gras zu sehen. Daneben ein etwas älterer 2er-Sessellift ohne Haube – die hat’s aber damals nicht gebraucht.

Ich frage meinen Vater, der schon zwei-, dreimal hier Skifahren war:
- „Sieht relativ steil aus. Ist das eine rote oder eine schwarze Piste?“
- „Das ist eine rote, aber nicht zu unterschätzen. Die Kandahar oder Olympia sind aber noch andere Hausnummern, besonders wenn’s eisig ist. Das ist dann mit der Piculin auf dem Kronplatz vergleichbar.“
- „Die ist schon ziemlich steil, aber genial.“
Die Piste wurde 2011 vom renommierten Testportal www.skiresort.de zur besten schwarzen Abfahrt überhaupt gekürt.

Wir gehen an den Katakomben vorbei, in denen Schneekanonen und Pistenraupen stehen und die mit Eisengittern verriegelt sind. Hier sieht es wie in einer Stierkampfarena oder im Kolosseum aus, als die damals noch Gladiatorenkämpfe veranstaltet haben. Das ist der Eindruck der nach diesem Erlebnis abschließend bleibt: Kontrast zwischen Nazi-Deutschland and Germany in the 21st century!



Schanzen:

GER Garmisch-Partenkirchen (Olympiaschanze)

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1)   Simon   schrieb am 17.04.2012 um 21:19:

Mal wieder toller Bericht

Der Artikel ist mal wieder super gelungen, auch wenn ich die von Oberstdorf besser fand :D

Die "neue" Olympiaschanze würde ich auch mal gern live sehen, die sieht auf Fotos bzw im TV schon genial aus (als ich mal dort war stand noch die Alte).



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