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Luis on Tour: Oberstdorf (Teil II)

am 02.11.2011

Im zweiten Teil der Kolumne "Luis on Tour" geht es weiter in Oberstdorf, diesmal mit dem Besuch der Schanzen am Schattenberg.

Luis on Tour: Ein Schanzenfan auf Achse

von Skisprungschanzen-Archiv-Autor und -Fotograf Luis Holuch

Oberstdorf (Teil II): Die Erdinger Arena (HS 137, HS 106, HS 60, HS 30, HS 20)


Den für den ersten Urlaubstag geplanten Aufenthalt in der Erdinger-Arena holten wir dann am zweiten Tag nach. Die Anfahrt ist nicht sonderlich spektakulär und führt teilweise mitten durch den Ort. Kurz bevor man den Schattenberg hinauffährt, passiert man die Nebelhornbahn, die gut einen Kilometer vom Bahnhof entfernt ihre Talstation hat. Die Straße, Am Faltenbach, die die Anschrift der Schanzen ist, führt parallel zur Bahn, so dass man guten Blick darauf hat.

Als wir ankommen, stellen wir mit Erstaunen fest, dass die Bahn direkt über dem Stadion verläuft und das zu früher Stunde schon 30 andere Personen auf den Einlass warten. Wie im Winter öffnet die Erdinger-Arena um 10.00 Uhr morgens ihre Pforten. Pünktlich um 9.50 Uhr sind wir also da und landen damit einen Volltreffer! Vor dem Zaun hängt der Trainingsplan für die letzte Augustwoche aus. Dieser zeigte, dass der Teil des Österreichischen Profikaders, der zu diesem Zeitpunkt nicht mit dem Sommer-Grand-Prix-Zirkus tourte, auf der Großschanze trainierte. Und das bereits seit einer halben Stunde. Für 12 Euro kaufen wir uns eine Familienkarte. Zur Begünstigung trägt, wie überall, die Allgäu-Walser-Card bei. Um eine Familienkarte zu bekommen braucht es zwei Erwachsene mit eigenen Kindern oder Enkeln im Alter bis 17 Jahren. Im Preis sind der Zugang zum Stadion, Berg- und Talfahrt im Schrägaufzug zur Großschanze, die Fahrt mit dem Personenaufzug im Turm rauf zur Panoramaplattform und der Eintritt ins Skimuseum enthalten. Genug also für den Tag, für den die Karte gültig ist. Jeder bekommt einen Aufkleber, auf dem seine Altersbezeichnung steht, auf das T-Shirt.

Da noch ein wenig Zeit bis 10.00 Uhr ist, schlendern wir zunächst durch die Skiausstellung. Dort sind alle ehemaligen Skimodelle ausgestellt, teilweise von 1909. Dazu gibt es ein Miniaturmodell der HS 137 im Maßstab 1:50 zu bewundern, das in einem Jahr Bauzeit entstanden ist. Auch die Sieger der Nordischen Ski-WM 2005 werden gewürdigt. Zur Ergänzung dazu gibt es einen Dokumentarfilm des Bayerischen Rundfunks. Von dem kleinen Balkon hat man einen wunderbaren Blick ins weite Rund des Stadions, sowie über die Jugendschanzen HS 20, HS 30 und HS 60, die ganz am Rande der Arena stehen und die über eine Standseilbahn (nur für Athleten) zu erreichen ist. Auch die Landungen der Springer kann man von hier aus beobachten.

Da es nun mittlerweile nach 10.00 Uhr ist, gehen wir nun auf den Weg, der zunächst um den Auslauf führt. Dort sind alle bekannten Springer und Sieger der Springen der Vierschanzentournee im „Walk of Fame“ abgebildet. Plakate weisen auf das Eröffnungsspringen der 60. Tournee am 29.12.2011 hin. Nachdem wir den Bereich mit etwas schlechteren Sichtverhältnissen passiert haben, stellen wir uns an der Erdinger Sportalp hin und schauen den Cracks beim Training zu. Ein relativ großer Springer mit pinkem Helm und blauem Sprunganzug segelt die Schanze runter und landet bei etwa 125 Metern, ist aber sichtlich verärgert. Er hat noch nicht einmal seinen Helm abgenommen, da segelt der nächste hinunter. Er trägt orangen Helm und einen grün-braunen Anzug. Jedoch macht er seinen Job ein wenig besser, springt 5 Meter weiter und setzt einen schönen Telemark. Als er bremst, hat der andere seinen Helm abgesetzt und ich erkenne seine Haarpracht, die zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden ist. An seinem Kinn ist ein Drei-Tage-Bart gewachsen. Das ist Martin Koch! Jener Martin Koch, der in der letzten Saison seine ersten beiden Weltcupsiege errungen hat, einen am Čerťák, dem Teufelsberg in Harrachov auf der K185-Flugschanze. Er hat, genau wie sein Kollege Stefan Thurnbichler, der nach ihm gesprungen ist, absolut 0 Milligramm Fett am Körper - „dieselbe Gewichtsklasse, wie ich“ denke ich. Zur Info: Ich bin 16, 1,88 Meter groß und wiege knapp 65 kg. Wenn ich nicht in Bielefeld leben würde, würde ich wahrscheinlich Skispringer werden.

Wir lassen ihnen auf dem Weg zum Lift den Vortritt und schauen uns ein wenig die Stahltribünen an. Der Weg führt geradewegs über die Tribünen. Als wir am Lift ankommen, sitzen die Österreicher auf einer Bank und schauen sich ihre Sprünge auf der Videokamera an. Doch anstatt ausführlich zu analysieren, steigen sie gemeinsam mit uns in den Schrägaufzug. Es gibt sogar fünf Sitzplätze, die wir – selbstverständlich – den Springern überlassen. Ich stelle mich an die Rückseite, um den Hang hinunterzublicken, neben mir sitzt Stefan Thurnbichler. Mein Vater Michael ist neugierig und fragt: „Wie viele Sprünge macht ihr Jungs denn in den zwei Stunden?“ - „Sechs Stück“, antwortet Thurnbichler. Während ich mich noch frage, wie dieses Hin- und Hergerenne managen, stellt Michael fest: „ Hast du das gehört? Für 3-4 Sekunden in der Luft und maximal 3 noch im Anlauf fahren die hier 10 Minuten hoch, um das Ganze zu wiederholen. Verrückt!“ Ich antworte nicht ganz ernst: „Na ja, ist halt so. Schneller geht’s nicht! Und Düsenjets machen auf die Distanz keinen Sinn!“ - „Stimmt wohl. Wenigstens müssen sie nicht zu Fuß laufen, wie die Kollegen Klopfer, Brutscher und Weiler früher!“

Wohl war. Mittlerweile sind wir oben angekommen. Kurzer Fußmarsch bis zum Aufzug und nach zwei Minuten stehen wir dann unterhalb der Panorama-Webcam. Entweder schaut man sich den Stream auf der Website (www.erdinger-arena.de) oder im Alpenpanorama auf 3sat und dem Bayerischen Rundfunk von 7.30-9.00 an. Alle größeren Skigebiete werden dort gezeigt, u.a. auch Fellhorn/Kanzelwand und das Nebelhorn. Von hier sieht man die Erdinger-Arena. Nur halt von oben. Sogar die Jugendschanzen, die relativ weit entfernt sind, sind sehr gut einzusehen. Hinter dem Stadion sieht man wunderbar die Dächer des Markts Oberstdorf. Dreht man den Kopf nun um 180 Grad, blickt man direkt auf die 50 Startluken der Schanzen. Die Österreicher starten aus Luke 22.

Der Sonnenschein erlaubt einen weiten Blick in die Runde und man sieht sogar den „schiefen Turm von Oberstdorf“ und das Söllereck. Mittlerweile sind die Springer alle wiederholt nach unten gesegelt und machen sich ein letztes Mal auf zum Schanzenturm. Wir fahren wieder mit dem Aufzug nach unten und stellen uns am Anlauf auf und blicken den Hang hinunter. Auch das rote Tourismus-Logo Oberstorf, Allgäu steht am Beginn der Matten. Die Springer sind schon wieder am Aufzug und wir gehen zum Trainerturm. Dort steht ein braungebrannter, mittelgroßer Mann mit Sonnenbrille, Kappe und Videokamera in der Hand. Auch ihn erkenne ich ziemlich spät, erst als ich die Stufen erklommen hatte und auf dem Turm stand: Es ist Florian Liegl, Ex-Springer und nun Kameraspringer und Co-Trainer des ÖSV. Ich stelle mich schräg vor ihn, doch als der erste von den sechs Jungs oben sitzt, bittet er mich, mich woanders hinzustellen, was ich mit den Worten „Klar doch, Flo“ dann auch tue. Er hat keine Fahne dabei, so dass er die Springer mit der Hand abwinkt, was eigentlich nicht nötig wäre, da es im Prinzip windstill ist.

Wir sehen uns die sechs Jungs noch an, an deren Ende Wolfgang Loitzl, Vierschanzentourneesieger 2009/2010 springt, jedoch den Sprung einigermaßen verpatzt. Vom Trainerturm sieht man am besten, wie schön und modern die Große Schattenbergschanze ist. Wenn ich es nicht wüsste, würde ich denken, dass sie eher aus dem Jahr 2008, als 2002, ist. Die Verantwortlichen der Skisport- und Veranstaltungs-GmbH können völlig zu Recht ihren Flyer mit den Worten „Eine der schönsten Skisprunganlagen der Welt“ betiteln.

Dann sehen wir uns noch kurz die Normalschanze an, die sich noch im Bau befindet. Doch die Strukturen sind eindeutig zu erkennen, man sieht genau, dass auf der rechten Seite (vom Tal aus gesehen) ein neuer Juryturm entsteht und wo sich später der Aufzug im Schanzenturm befinden wird. Allzu nahe kommen wir leider nicht heran, da sich die Arbeiter etwas gestört fühlen. Die Arbeit, die sie vollbracht haben, kann man heute mit dem Prädikat „Spitzenklasse“ beurteilen.

Die Fotos fürs Familienalbum und für unsere schöne Webseite sind auch schon geschossen, so dass wir uns wieder zum Aufzug begeben. Rasch fährt dieser auch nach unten und wir treffen dort ein letztes Mal auf die Österreicher, die in einem Dienst-Sprinter vom ÖSV unterwegs sind und gerade ihre Sachen einräumen, um zurück zur Unterkunft zu fahren. Zum Mittagessen – versteht sich. Am Nachmittag, von 15.30 bis 17.30 steht dann die zweite Trainingseinheit an. Dies weist zumindest der Trainingsplan aus. Zu dieser Zeit befinden wir uns bereits auf der Ganzjahresrodelbahn am Söllereck und sind weiterhin aktiv. So endet dann auch der erste Teil unserer Schanzenreise bereits am zweiten Urlaubstag.

Doch nicht traurig oder besorgt sein! Es geht demnächst weiter, denn wir waren schließlich noch zwei weitere Wochen im Urlaub und haben uns weitere Schanzen angesehen. Auf der Weiterreise nach Taisten/Tesido in Südtirol am Skigebiet Kronplatz fuhren wir noch zu drei weiteren Schanzen, die direkt auf dem Weg lagen.

Der nächste Teil behandelt die Olympiaschanzen von Garmisch-Partenkirchen! Bis dahin und viel Spaß auf unserer Webseite!

Euer
Luis Holuch



Schanzen:

GER Oberstdorf (Erdinger Arena)

Links:

Erdinger Arena

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Kommentare:

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3)   Marvin   schrieb am 04.11.2011 um 20:44:

Skispringen ist dort ziemlich beeindruckend.An der Seite sind dort Zuschauerplaetze,man muss mal bei einem Trainnigs- oder Wettkampfsspringen zuschauen.Man hoert so richtig den Luftzug.
Das ist ausserdem auch ein sehr schoener Artikel geworden,das muesst ihr auch mit Klingenthal machen.

2)   freddi   schrieb am 03.11.2011 um 18:07:

kann ich nur zustimmen, wie der erste Teil....Sehr gut!!!

1)   Simon   schrieb am 02.11.2011 um 21:57:

Erneut Super!!!

Auch der Artikel ist - genau wie Teil 1 - einfach super.

Das ist schon cool, wenn man den Profis beim Training zuschauen kann. Ich hatte auch mal vor ein paar Jahren Glück, als ich in Innsbruck war. Da haben damals auch die Österreicher trainiert.



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