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Die Geschichte des Frauenskispringens

am 09.03.2008

Das Skispringen der Damen wird immer bekannter, so steht die Disziplin in Liberec zum ersten Mal im Programm einer nordischen Ski-WM und wird vermutlich 2014 in Sochi zum ersten Mal olympisch sein - Hier ein Blick auf die Entwicklung des Skispringens der Frauen.

Die Geschichte des Frauenskispringens ist so alt wie das Skifahren der Frauen selbst. Wie bei den Männern ist auch bei den Damen Norwegen das Ursprungsland des Skisprungs, denn es soll schon 1862 in Trysil erste Sprungversuche einer Norwegerin namens Ingrid Vestby gegeben haben. 1897 wird von der 10-jährigen Ragna Pettersen berichtet, die angeblich 12 Meter auf dem Mesterbakken in Nydalen gesprungen sein soll. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt Asker, unweit von Oslo gelegen, durch mehrere Damensprungläufe bekannt.

Im 20. Jahrhundert war es dann auch in anderen Ländern keine Seltenheit mehr, dass Mädchen auf den Sprunghügeln zu sehen waren. So bei den britischen Skimeisterschaften 1911 in der Schweiz, als die Engländerin Hocking sieben Meter weit gesprungen sein soll. Im selben Jahr sprang aber die adlige Comtesse Paula Lamberg aus Kitzbühel 22 Meter weit und gilt als Pionierin des Skispringens der Damen in Mitteleuropa. Erwähnenswert ist auch ein Sprunglauf in Trondheim, wo auf dem Gråkalbakken im März 1914 angeblich achtundzwanzig Norwegerinnen zum Wettkampf antraten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Fräulein Engelbrecht aus München als springende Amazone bekannt und 1927 sprang dann Olga Balsted Eggen in Norwegen 22 m weit! Schlagzeilen machten ab 1930 die zwei aus Dokka (Norwegen) stammenden Mädels Hilda Braskerud und Johanne Kolstad, die zuvor schon Preise in Konkurrenzen der männlichen Junioren gewonnen hatten. Beim Jubiläums- springen 1931 auf dem Osloer Midtstubakken starteten sie vor 9000 Zuschauern außer Konkurrenz und wurden danach von Kronprinz Olav und Kronprinzessin Märtha auf der Tribüne begrüßt. Da der norwegische Skiverband aber offiziell keine Frauen bei Wettkämpfen zuließ, sprangen sie zwischen den Durchgängen und erlangten wegen ihrer guten Sprungweiten einen bemerkenswerten öffentlichen Ruf.

In der Zeit von 1933 bis 1938 nahm Johanne Kolstad in Amerika bei Veranstaltungen auf den dort bekanntesten Schanzen teil und errang dabei in der Presse großen Ruhm. Die Sensation gelang ihr dann in Berlin (New Hampshire), wo sie mit 72 m inoffiziell den Damenweltrekord erzielte. In den Jahren bis zum Ausbruch des Zwei- ten Weltkrieges folgten noch mehrere Norwegerinnen diesem Beispiel und sprangen in Skihallen in London und New York sowie auf anderen U.S. amerikanischen Schanzen. Mit 70 m Siegerweite gewann Johanne Kolstad beim einmaligen Damen- pokal-Sprunglauf 1940 auf dem Midtstubakken in Oslo ihren letzten Wettkampf.

Nach dem 2. Weltkrieg war es die Skispringerin Anne-Lise Hexberg aus Nittedal, die Mitte der 50er Jahre in Norwegen als beste Springerin bekannt wurde. Danach stagnierten viele Jahre die Bemühungen der Damen in dieser Sportart Fuß zu fassen und erst mit Anita Wold aus Trondheim kam 1972 wieder ein Signal, als sie in Meldal 80 m und 1976 in Sapporo 97,5 m weit sprang. 1981 ließ die Finnin Tiina Lehtola aufhorchen, da sie als erste Frau über die 100 m-Marke geflogen war.

Während in Skandinavien die Schar der Springerinnen noch relativ klein war, zeigte mit Beginn der 90er Jahre Eva Ganster aus Österreich, dass Frauen ebenfalls sehr gut Skispringen können und machte mit ihren Weiten in der Skisprungwelt Schlagzeilen. Mit ihren Leistungen verhalf sie dieser Disziplin zum internationalen Durchbruch. Die FIS genehmigte 1999 den Ladies Grand Prix vorerst im Sommer, später folgten die Wettbewerbe im Winter und die Teilnehmerzahlen stiegen jährlich an. Im Rahmen des Trainings beim Skiflugweltcup in Bad Mitterndorf erreichte am 29. Januar 2003 Daniela Iraschko als erste Frau die 200 m-Marke.

Mittlerweile gibt es in allen Skinationen seit 2001 jährliche Landesmeisterschaften, sowie den Ladies-Continentalcup als einen festen Platz im internationalen Sportkalender. Mit Norwegen, den USA, Österreich und Deutschland haben sich momentan starke Skisprungdamen in der Weltspitze etabliert, aber viele weitere Länder folgen, fördern das Damenskispringen und stellen eigene Nationalteams auf. 2009 wird in Liberec erstmals eine Weltmeisterin ermittelt und wenn auch das Damenskispringen für die Olympischen Spiele 2010 vom IOC abgelehnt worden ist, ein Aufhalten dieser Sportart ist nicht mehr möglich, denn die Weiterentwicklung ist im Gange und das Niveau wird weiter steigen.


Weltrekordentwicklung im Damenskispringen:

1897      12,0 m Ragna Pettersen   NOR in  Nydalen (NOR)
1902 14,5 m Hilda Stang   NOR in  Gjøvik (NOR)
1910 21,0 m Hilda Stang   NOR in  Gjøvik (NOR)
1910 22,0 m Hilda Stang NOR in Bærum (NOR)
1911 22,0 m Paula von Lamberg   AUT in  Kitzbühel (AUT)
1911 25,6 m Isabell Coursier CAN in Revelstoke (CAN)
1926 26,0 m Olga Balsted Eggen   NOR    in  Arvika (NOR)
1928 31,4 m Isabell Coursier CAN in Revelstoke (CAN)
1931 40,0 m Johanna Kolstad   NOR in  Nydalen (NOR)
1931 46,5 m Johanna Kolstad   NOR in  Fluberg / Odnes (NOR)
1932 62,0 m Johanna Kolstad   NOR in  Trondheim (NOR)
1938 72,0 m Johanna Kolstad   NOR in  Berlin (USA)
1972 80,0 m Anita Wold   NOR in  Meldal (NOR)
1974 82,5 m Anita Wold NOR in Meldal (NOR)
1974 91,0 m Anita Wold NOR in Strbske Pleso (CSR)
1974 94,0 m Anita Wold   NOR in  Strbske Pleso (CSR)
1976 97,5 m Anita Wold   NOR in  Sapporo (JPN)
1981 110,0 m Tiina Lehtola   FIN in  Kuusamo (FIN)
1989 111,0 m Merette Kristiansen   NOR   in  Fluberg / Odnes (NOR)
1994 113,5 m Eva Ganster   AUT in  Lillehammer (NOR)
1997 144,0 m Eva Ganster AUT in Bad Mitterndorf (AUT)
1997 161,0 m Eva Ganster AUT in Bad Mitterndorf (AUT)
1997 163,0 m Eva Ganster AUT in Bad Mitterndorf (AUT)
1997 164,5 m Eva Ganster AUT in Bad Mitterndorf (AUT)
1997 165,0 m Eva Ganster AUT in Bad Mitterndorf (AUT)
1997 167,0 m Eva Ganster   AUT in  Bad Mitterndorf (AUT)
2003 188,0 m Daniela Iraschko   AUT in  Bad Mitterndorf (AUT)
2003 200,0 m      Daniela Iraschko   AUT in  Bad Mitterndorf (AUT)



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